Wolfgang Nieschalk
        "Wer handelt, kann Fehler machen. Wer nicht handelt, hat bereits einen Fehler gemacht."

 

Was ist dran am Horoskop?



"Sie sind auf schöne Worte hereingefallen," 

verkündete mir mein Sonntagshoroskop, "doch noch können Sie die richtigen Entscheidungen zu treffen!"

Mein Sternzeichen ist "Jungfrau" und noch während ich das las, grübelte ich bereits, wer mich die letzten Monate umschmeichelt haben könnte. Niemand, ergab meine innere "Blitzanalyse," doch trotzdem blieb ein Rest von Unsicherheit übrig.

Kein Wunder, denn sogar die alten Babylonier waren schon von der Astrologie überzeugt. Die damit verbundenen Unberechenbarkeiten schoben sie den falsch liegenden Astrologen in die Schuhe. Diese bittere Erfahrung machte im Jahre 1552 der berühmte Astrologe 'Geronimo Cardano', als er an den Hof des 15-jährigen Königs Edward VI gerufen wurde, um ihm das Horoskop zu machen. "Die Sterne prophezeien Majestät ein langes, glückliches Leben", verkündete er. "Erst Im Alter von 53 Jahren, drei Monaten und 17 Tagen werden ihm Krankheiten zu schaffen machen."

Pech gehabt. Nur neun Monate später starb der Herrscher und diese Fehlprognose kostete dem Astrologen den Kopf. Klar, wer die ehernen Gesetze der Astrologie falsch deutete, war ein Qacksalber und man machte kurzen Prozess mit ihnen. Zweifellos ein lebensgefährlicher Job, und trotzdem überlebte die Astrologie nicht nur, sondern blühte immer mehr auf! Und heute? Egal wo man heute hinschaut, hört oder liest - Horoskope gibt's an allen Ecken und alle eröffnen uns einen Blick in die Zukunft.

Gesundheit und Charakter werden nach Lesart der Astrologie durch das Sternzeichen bestimmt, in dem sich die Sonne bei unserer Geburt bewegte. Doch die astrologische Grundlage hat sich seit Babylon verändert. Die Sonne ist über die Jahrtausende 'aus dem Tritt gekommen.' So, wie alle paar Jahre ein Schaltjahr eingeschoben wird, um den Monat wieder "glatt zu machen", hätte man das auch bei der Sonne tun müssen im Verhältnis zu den Sternzeichen. Man tat es nicht und so ist der damalige "Babylonische Löwe" heutzutage nicht mehr der Mensch mit dem Löwenmut, sondern in Wirklichkeit ein Krebs! Und ich als "Jungfrau" müsste heute mein "wahres Horoskop" im Sternbild des Widder suchen. Kein Wunder, dass mir beim Nachdenken darüber, wer mich mit Schmeicheleinheiten zu unbedachtem Tun veranlasst hatte, so erfolglos blieb.

Doch auch Planeten sollen uns beeinflussen. Sonne, Mond, Jupiter, Merkur und Venus sind gut für uns, Mars und Saturn aber sind Unheilbringer. Dummerweise wurden seit Festlegung dieser uralten Regeln in neuerer Zeit zwei zusätzliche Planeten entdeckt: Uranus und Neptun - fünfzehn mal so groß wie die Erde - und trotzdem haben Astrologen für diese Schwergewichte nur ein Naserümpfen übrig.

Seien wir ehrlich. Die meisten Horoskope sind dehnbar wie Socken, die jedem passen. Wir alle glauben einfach nur gern, was man uns sagt - wenn es positiv ist. 1964 unternahm ein französischer Psychologe einen Versuch. Er inserierte als Astrologe und schickte jedem, der ihm antwortete, sein "persönliches" Horoskop. Kurz darauf beglückwünschten ihn 200 Empfänger schriftlich zu seiner Hellsichtigkeit: Jeder fand, sein Horoskop passe auf ihn wie angegossen. Dabei hatte der Psychologe allen das Gleiche geschickt...

Nichts kann restlos bewiesen werden, schrieb der Pariser Astrologe Jean Richard noch in den 1970- er Jahren. Stimmt! Deshalb hadere ich auch gegen jede Vernunft mit "Freitag, dem 13." Aber nüchtern betrachtet sind Horoskope nichts anderes als Märchen für Erwachsene. Dort angesiedelt, wo auch die Phantasiegebilde unserer Kindheit spielten.  

 
 
 
E-Mail
Anruf