Wolfgang Nieschalk
        "Wer handelt, kann Fehler machen. Wer nicht handelt, hat bereits einen Fehler gemacht."

Kaffee - dunkler Wein Arabiens.


"Ich bin der goldbraune Geliebte, mein Sein liegt in der Tasse",  schrieb um das Jahr 1550 ein Dichter aus Damaskus über den Kaffee. Mit diesen Attributen ausgestattet ist es kein Wunder, dass der heutige Reisende den "goldbraunen Geliebten" überall auf der Welt findet - wenn der auch manchmal pechschwarz ist. Nicht immer war er so verbreitet und kaum jemand macht sich Gedanken darüber, woher er kommt!

Viel spräche dafür, den nahen Osten als Ursprungsregion des Kaffees anzusehen. Dort ist der Geruch gerösteten Kaffees nicht wegzudenken. Tatsächlich sind Verhandlungen ohne ein Tässchen süßen Mokkas unvorstellbar. Kaffee beflügelt die Gedanken, schärft die Wahrnehmung und wird unentbehrlich, wenn es ums Geschäft geht. Und doch kommt der Kaffee woanders her.

Um das 10. Jahrhundert herum wurde er zum ersten Mal erwähnt - unter Bezeichnungen, die alle ähnlich klingen. "Kahva" aus dem arabischen Raum - bedeutet dunkler Rotwein - könnte über das türkische "Kahve" zu unserem "Kaffee" geworden sein. Die Kaffeepflanze aber stammt aus einer Landschaft Äthiopiens, die "Kaffa" heißt und so könnte Kaffa zu Kaffee geworden sein.

Anfang des 15 Jahrhunderts fand der Kaffee aus Äthiopien seinen Weg in den Jemen und später in alle Welt. Glaubt man der Legende, fiel einem jemenitischen Scheich in Äthiopien eine Ziegenherde auf, die ungewöhnlich lebhaft auf den Berghängen herum sprang. Sie fraßen Beeren, die ihm unbekannt waren. Er kochte er einige davon, trank das Gebräu und wurde plötzlich hellwach. Die erste Tasse Kaffee! Die Setzlinge, die er in den Jemen mitnahm, gediehen prächtig. Das Getränk mit der belebenden Wirkung wurde ein Riesenerfolg, nachdem ein "Tüftler" herausgefunden hatte, dass es viel besser schmeckt, wenn man die Bohnen vor dem Zerkleinern röstet.

Kritisch für den Kaffee wurde es, als er in den heiligen Stätten Mekka und Medina Einzug hielt. Über 1500 Kaffeehäuser mit lauter Musik schossen wie Pilze aus dem Boden. Das gab Ärger mit der geistlichen Obrigkeit. "Kaffee berauscht die Sinne ähnlich wie Wein", urteilte sie und verbot nach islamischen Recht das Kaffeetrinken. Noch in der Nacht wurden die anrüchigen Häuser geschlossen, die Inhaber verhaftet und "die geistliche Obrigkeit" beschlagnahmte die restlichen Bohnen für sich. Fünfzig Jahre später waren Kaffeehäuser wieder "in". Bei Schriftstellern, Professoren, Gelehrten und Beamten kamen sie so in Mode, das sie sogar als "Schule des Wissens" bezeichnet wurden!

Hundert Jahre später eröffneten die ersten Kaffeehäuser in Europa und 1677 in Hamburg das erste deutsche Kaffehaus. Damit begann der Kaffee seinen Siegeszug. Zwanzig Jahre später ging die Polizei gegen die Auswüchse in den Kaffeehäusern vor. Ohne Erfolg. Selbst Friedrich der Große, der Kaffee verschmähte, konnte nicht verhindern, dass Kaffeehäuser immer mehr Anhänger fanden.

In Frankreich war das Kaffeehaus idealer Treffpunkt für die Planung der französischen Revolution. Statt sich mit Wein zu benebeln, wie die herrschenden Monarchen, tranken die führenden Revolutionäre Kaffee, der ihren Geist schärfte. Die Monarchie wurde Geschichte. So gesehen bestimmte die kaffeefressende Ziegenherde in den äthiopischen Bergen Jahrhunderte später die europäische Politik, aber mehr noch die Frauen. Sie muckten auf und forderten "Cafee-Cränzchen" in den Kaffeehäusern. Sie setzten sich durch und mit so viel charmanter Weiblichkeit im Rücken war der Vormarsch ihres "goldbraunen Geliebten" endgültig nicht mehr aufzuhalten! 

 
 
 
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