Wolfgang Nieschalk
        "Wer handelt, kann Fehler machen. Wer nicht handelt, hat bereits einen Fehler gemacht."

Diese verflixten Ehetests...



Vor kurzem geriet mir in einem öffentlichen Bücherschrank ein Ehe Ratgeber in die Hände mit dem Titel: "Sind sie glücklich verheiratet?" 

Interessant. Drei Seiten darin waren Testfragen. Die interessierten mich am meisten. Ich schmunzelte, als ich zu lesen begann. Das verging mir schnell und wich einem langen Gesicht, als ich bemerkte, dass keine der Antworten so ausfiel, wie sie hätten ausfallen sollen - auch dann nicht, wenn ich was dazu schwindelte.

Die Frage, "Sind sie im wesentlichen über ihre Ausgaben einer Meinung", beantwortete ich mit "Ja." Aber nur deswegen, weil wir unsere gegenseitigen Extravaganzen missbilligen - ich ihre und sie meine.

Die nächste Frage, "Haben sie gemeinsame Interessen?" beantwortete ich mit "Nein." Ich liebe das Segeln auf kaltem, grauen Meer, sie aber das warme, blaue Wasser im Pool eines Wellness-Tempels. Das ginge ja noch, aber auch vorm Fernseher gehen unsere Interessen auseinander. Ich bevorzuge Dokumentationen über Sterne und Weltraum, sie zieht Millionärs- oder Liebesfilme vor und nimmt sogar in Kauf, dass ihr dabei Tränen der Rührung ausbrechen. Deshalb haben wir zwei Fernseher."Haben sie ein gemeinsames Ehe Ziel?" lautete die nächste Frage und wahrheitsgemäß konnte ich mit "Ja, das hatten wir", antworten. Schließlich wollten wir vor 52 Jahren gemeinsam reich werden. Da wir uns aber geheiratet hatten, fiel der Reichtum ins Wasser.

"Bemüht sich jeder von ihnen, dass Selbstvertrauen des anderen zu stärken?" Wieder ein klares Ja. Unermüdlich nämlich erklärt sie mir, mit meiner Intelligenz und sonstigen Fähigkeiten müsste es doch leicht sein, mir selber ein Spiegelei zu braten. Und ich versuche - wie oft eigentlich schon? - ihr zu erklären, dass selbst eine technische Null "mit links" die Uhrzeit an der Mikrowelle einstellen könne.

Die nächste Frage: "Reden sie gern miteinander?" beantwortete ich wieder mit einem ehrlichen "Ja." Manchmal reden wir sogar wie am Fließband miteinander. Dabei sprach sie früher und spricht sie auch noch heute am liebsten über: "Wer verkehrt mit wem". Oder: "Wer hat was mit wem." Mich interessiert das nicht. Ich rede lieber über Politik und zu hohe Steuern. Aber dann hapert's mit dem Zuhören.

"Gehen sie sich manchmal auf die Nerven?" Dumme Frage. Und ob! Ihr Nörgeln zum Beispiel, wenn der Spiegel im Bad nach dem Duschen angelaufen ist und sie sich hinterher nicht sehen kann. Unser Füllhorn der Reibungspunkte ist unerschöpflich und sie empfindet mich auch dann als Nervensäge, wenn ich ihr nur sage, sie solle das Licht im Keller ausschalten, wenn sie nach oben kommt.

Sie schweigt dann beharrlich, aber ihr Gesicht verrät, was sie denkt. Die nächste Frage brachte überraschende Übereinstimmung. "Geben sie sich, wenn etwas schief geht, gegenseitig die Schuld?" "Nicht immer. Manchmal gaben wir den Kindern die Schuld, manchmal der Politik. Manchmal knallten wir auch nur mit den Türen."

Trotz dieser Gegensätze blieb ich - wie schon erwähnt - 52 Jahre verheiratet, habe zwei Kinder und vier Enkel und nun beweist mir dieser zufällig gefundene Ehe Testbogen, dass meine Frau und ich zusammenpassen wie Hund und Katze. Ich bin kein guter Ehemann - anders kann ich das Ergebnis nicht werten. Meine Ehe ist nicht nur Irrtum, sondern Katastrophe. Nur wusste ich das bisher noch nicht.

Bei der letzten Frage zögerte ich deshalb, weiter zu lesen. Dann siegte die Neugier.

"Sind Sie im Laufe der Jahre durch geduldige, verständnisvolle Einstellung miteinander zu einer befriedigenden Anpassung in ihrem Liebesleben gekommen?"


Hätte wirklich jemand gefragt - ich hätte geheimnisvoll geschmunzelt und dann geantwortet: 

"Also, was soll denn daran so schwer sein?"




 
 
 
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