Wolfgang Nieschalk
        "Wer handelt, kann Fehler machen. Wer nicht handelt, hat bereits einen Fehler gemacht."

Der Wasserhaushalt unseres Körpers.


"Du trinkst zu wenig", meinte kürzlich meine Frau und stellte mir demonstrativ drei große Wasserflaschen ins Büro. "Das ist die tägliche Mindestmenge, die du zu dir nehmen solltest." "Sie hat zu viel Apothekerzeitungen gelesen," dachte ich genervt und nörgelte: "Drei kühle Blonde wären mir lieber." Natürlich weiß ich, dass sie recht hat und weiß auch, dass die kühlen Blonden den insgesamt positiven Effekt durch ihre zwar angenehmen, aber schädlichen Inhaltsstoffe rasant ins Negative drehen würden.

Schaut man mal "hinter die Kulissen - ins Innere unseres Seins" - wird klar, warum sie Recht hat und es werden Vorgänge sichtbar, an die sonst kaum jemand denkt.  

Pausenlos nämlich durchfluten uns Ströme salzhaltigen Wassers, und kein Organ könnte ohne diese Flut am Leben bleiben. Dem Gewicht nach bestehen wir Menschen zu 60 bis 70 Prozent aus Wasser. Dass das Blutplasma zu 95 Prozent aus Wasser besteht, ist klar, dass aber selbst für die festen Knochen Wasser mit über zwanzig Prozent an ihren Gewicht beteiligt ist, ist schon schlechter vorstellbar.  

Schaut man aber eine halbe Milliarde Jahre zurück in die Zeit der Entwicklung des Lebens, wird klar, warum alles so ist. Damals krochen tastend die ersten Lebewesen aus den salzigen, warmen Ozeanen auf festes Land. Und die Natur richtete es ein, dass sie diese nasse, sie ernährende Umwelt mitnahmen aufs trockene Land in Form eines inneren, salzigen "Binnenmeeres."

Seitdem durchströmt dieses "innere Meer" alle Blutgefäße und Kanäle des menschlichen Körpers. Es füllt jede Zelle darin und kein einziger Körperteil von uns könnte ohne diese innere Flut am Leben bleiben.

Darüber stöhnen wir, wenn uns heiß wird. Dabei sind wir uns meist gar nicht darüber im Klaren, dass wir von der eigenen Wärmeerzeugung vernichtet werden würden, hätten wir nicht diesen inneren Ozean in uns. Muskelbewegungen und chemische Prozesse erzeugen dermaßen viel Hitze, die ausreichen würde, uns zu verbrennen. Das Wasser aber, dass unsere Zellen und Gewebe pausenlos durchspült, führt die überschüssige Wärme genauso schnell ab, wie sie entsteht. Bei den Hunden über die Zunge, bei den afrikanischen Elefanten über die großen Ohren und wir, die nicht hecheln können und nur kleine Ohren haben, verlegen uns aufs Schwitzen.

Wasser ist auch unser Stoßdämpfer. Ein Flüssigkeitspolster schützt - bis zu einem gewissen Grade - nicht nur unser Denkorgan vor  Erschütterungen. Ähnlich sind auch unsere Knochen, Gelenke, Organe und Nerven gegen die lebenslangen Stöße gepolstert, die der Körper hinnehmen muss. Ohne Flüssigkeitspolster würde sogar das Aufsetzen der Fersen beim Gehen zur Qual.

Und weil Wasser durch seine Vielseitigkeit auch ein gutes Lösungsmittel ist, trägt es Unmengen wertvolle Chemikalien - aufgelöst oder fein verteilt - durch unseren Körper und leitet zusätzlich noch jene elektrischen Impulse, die die Nerven und Muskeln in Gang setzten. 

Die täglichen Wasserverluste werden zwar durchs Trinken und Essen ausgeglichen, aber das gibt kein richtiges Bild vom Wasserhaushalt unseres Körpers. Doch davon wissen meist nur die Fachleute. Tatsächlich filtern die Nieren im Laufe des Tages sage und schreibe 180 Liter aus dem Blut heraus - und führen sie ihm fast vollständig wieder zu. Und im Körper selbst werden täglich mehr als 10 Liter Wasser durch die Organe selbst produziert - das ihm, von ihm selbst gefiltert und gereinigt, dann zur Wiederverwendung zugeführt wird. Unser innerer Wasserkreislauf ist wirklich ein Wunder an Funktionalität und Komplexität. Und wer glaubt, dass Blut wäre unsere wichtigste Flüssigkeit, irrt. Diese Rolle kommt dem Wasser zu, das uns durchströmt und geschmeidig hält, uns Wärme und Kühlung spendet und "alles an die richtigen Stellen transportiert." Und lauerten nicht die schon angesprochenen bedenklichen "Zusatzstoffe" in den "kühle Blonden mit der weißen Blume", machte es mir einen Heidenspass, mein "inneres Urmeer" während möglichst häufiger Pausen auf Niveau zu halten! 

 
 
 
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