Wolfgang Nieschalk
        "Wer handelt, kann Fehler machen. Wer nicht handelt, hat bereits einen Fehler gemacht."

De Bimmel – Ludchen  

(oder Abendstimmung)


As Bengel bin ick in Wehle (Weddel) bi Bronswik uppewussen.

Ut düsser Tied sind mick noch veele Gerüsche besinnlich:

Leege, wegen de Kriegstied, wie dat Huhlen von de Sirenen bi Flieger-Alarm, dat Inferno bi Bombenangriffen (up Bronswik), dat Dröhnen von de kielförmigen Allierten Bomberpulks un dat Geballere von de dütschen Flak. Aber ok Gladdes, wie dat Summen von de Immen in de grote Linne vor usen Huse un Anneres is mick besinnlich. Sünnerlich aber dat Gerüsche, wat ji  jetze hören künnt:

 

     „plümm-plümm-plümm-plümm juhuuh-hui-plümm-plümm“

 

Dat was hei, use Bimmel-Ludchen. (Ludchen steiht för Ludwig) Ne lüttche Smalspur Damp-Isenbahn mit Tender-Lok for de Kollen, de up dulle kruckeligen Gliesen von Gliessenroe (an Schapen vorbie) dör de Baukhorst na en Elme bet Scheinich (Schöningen) dampen dee. Wenn düsse Toch up Fahrt ne Strate oder en grötteren Feldweg krüzen mößte, hat hei luut ehuhlt un ebimmelt. Et was taumeist en Personentog. Man harre aber ok Güterwagen, taumeist för de Buren in de Elmgegend. (Räube, Kartuffeln, Stroh oder Dünger)

 

In`n Sömmer saten wie ofte abends butten in`n Vorgaren unner use grote Linne un vatellen üsch wat. Dabie kunnen wie af un tau den Ludchen bimmeln hören. Ja, dat tauhoope Sitten, Vatellen un Tauhören was in de damalige Tied de beste Ünnerholunge. Fernsehen un den hütigen Medienkram gaff et ja noch nich, höchstens Radio mit Sonnermeldungen von de Kriegsfronten

 

Miene Oma Hermine Böhme und miene Mama sind ok abends de meiste Tied noch flietig eween. Entweder sei knütten oder stoppen Strümpe, löchten Arftchen ut oder sei snippelen Bohnen. Oma  bottere  öfter Zeegenbotter mit öhrer lüttchen Bottermaschine, de immer liese vor sick henblubbere. Ok ick hebbe elehrt, dat man suttche kurbeln mößte un de Sahne ne richtige Temperatur bruken dee. Et was ja de leege Kriegs- oder Nahkriegstied un tau Eten kreig man – wenn oberhaupt - süss blots vor siene Lebensmittelmarken, de bie en Inköpen utesnetten oder afestempelt wören.

 

Nu mott aber eseggt weren, dat wie up en Dorpe dat beter harren as de Stadtminschen. De meisten Nabers un Verwandten up den Dörpern kunnen sick en Swien fettfuttern un slachten laten. Man kreig deshalb aber keine Fleisch- un Botter-Lebensmittelmarken. Brot, Mehl un annere Nährmittel hebbet se damals ook up dat Swien anerekent.

 

Mien Opa harre abends af un tau Beseuk von sienen Fründ Fritze Gehricke. De beiden smöken en Stumpen (lüttche Zigarre) un kramen in öhre Erinnerunge von en ersten Weltkriege bi Verdun in Frankriek un kören von Gefechten bi Mars-la-Tour oder Quatre-bras. (watt veier Arme heeten deit). Dat was vor mick tahnjährigen Bengel dulle spannend. Sünnerlich, weil de beiden ook vasochten, sick up französische Wöre tau besinnen, de se as Soldaten elehrt harren.

 

Taurügge tau usen Ludchen. Miene Oma hat mick öfter mal middenohmen, wenn sei mit Ludchen tau öhrer Swester Anna Weitz na Schliestedt bi Schöppenstedt efeuert is. (Schliestedt liggt twischen Elm un Asse)       

De nächste Station von Ludchen for üsch „Wehlsche Lüe“ was Schapers-Rauhe (Schäfers-Ruhe)in Schapen. Bet dahen mößten wi ober den so beteikenten Stadtweg tau Faute lopen un jökelen denne mit Ludchen na Schöppenstedt, von wo et -ok tau Faute– na Schliestedt wier gung, wo Omas Swester Anna wohne.

Onkel Hermann Weitz was de Schapmester up et Rittergut in Schliestedt. Ick hebbe von Öhn veel ober de Natur ehört un elehrt. Hei hat sienen Beraup dulle ernst enohmen; an siene Schape un Hunne dröffte ick as Bengel un as sien Grotneffe nie ran.

Einmal schenke hei mick en Steintied-Messer, dat ick later, aber noch in de Kriegsjahre ober miene Schaule in Bronswik an en Museum

affegeben hebbe. Damidde hebbe ick et denne  ut den Ogen verloren.

 

Ja, dat Besinnen up de Gerüsche von düssen Bimmelludchen bringet ook gedanklich Veelet ut miener Kindheit taurügge. De leegen Belefnisse, de ick mit Episoden ut de Kreigstied vatellen könne, will ick an düsse Stee aber leiber wechlaten.

 

Eltze, 20. Februar 2019

Helmut Bielefeldt

 
 
 
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