Ich heiße Wilhelm Stenzel und wohne in Barsinghausen

Weitere Infos: http://www.calenberger-autorenkreis.de/Die-Autoren/Wilhelm-Stenzel/ 

 

Wilhelm Stenzel



Wilhelm Stenzel lebt in Barsinghausen am Deister. Gelesen hat er schon immer viel, besonders Balladen liebt er seit jeher.Seine kreativen Talente zeigen sich sowohl in der Dichtkunst als auch in der Malerei.

Er schreibt seit mehr als 40 Jahren, vor allem Gedichte, Balladen und lyrische Erzählungen.




August

 

Distel und Klatschmohn blühen wieder,

hinter Büschen verborgen ein Bach

flüstert - und Wellen und Lieder

unter dem Blätterdach

alter verkrüppelter Weiden

umraunen Ufer und Steg.


Freuden treffen auf Leiden,

gehen den gleichen Weg,

sind wie die Frucht auf den Zweigen

zur Reife, zum Fallen bestimmt

Ein alle umfassender Reigen,

der niemals ein Ende nimmt.

 

Schneeball verblühte und Flieder,

doch immer noch murmelt der Bach,

treibt Wellen und singt seine Lieder

immer und immer wieder

unter dem Blätterdach.

 

Immer wieder fallen Dinge aus dem Rahmen

 

Wieder einmal, kaum vernehmbar, fern am Rand der Ewigkeit

Tönt des Tages letztes Echo, überwindend Raum und Zeit.

Diesem folgst du tief im Sinnen, rückwärtsblickend Stund um Stund,

und erkennst meist widerwillig manchen Traumes wahren Grund.

 

Und erschauerst immer wieder, bist besorgt jedoch du steigst

Über deines Wissens Grenzen und du zweifelst, doch du schweigst.

Blickst auf Wege unbegehbar, undurchschaubar, fern und fremd,

dennoch suchst du, trotzdem träumst du, doch am Ende ungehemmt,

 

ziehst du leise klagend weiter, folgst der nie durchschauten Spur:

des gebieterischen Hoffens und bleibst doch ein Träumer nur.

Was erkennst du, was durchschaust du? Ob zu früh, ob viel zu spät,

immer war dir lieb und teuer was im Rausche du gesät.

 

Und wie heute, so auch morgen, wenn auch dunkel, unbewußt,

sagt die Last – gleich deiner Lust dir – ach, du willst nicht! Nein, du musst.

Höre, sehe, suche, sinne! Ach, des Wunsches Quelle rauscht…

Weißt du, was da in dir nachhalt? Nein! Doch du zögerst, doch du lauschst.

 

Wilhelm Stenzel, 2016


Ich lausche gern

 

Ich lausche gern des Windes Lauten, die flüstern, die im Laub erregt

sich was erzählen - bis allmählich der ganze Baum sich sanft bewegt.

 

Bis ihr Gestalter, die Bewegung,

ein Schattenspiel durch Licht erreicht,

das Zeichen setzt, das mich berauscht...

 

Sobald es doch den Formen gleicht,

die mir der Baum durch seine Bilder erklärend gegenüberstellt:

bin ich mir selbst nicht mehr derselbe, bin ich - in einer andern Welt...

 

Dann sind selbst windbewegte Zweige, am rauhen Ast das blasse Grün,

in jedem Blatt versteckte Hände, die mich zu streicheln sich bemüh’n.

 

Zwar gleicht das alles nur den Träumen, ist Illusion. Doch diese Zeit,

für ein paar kurze Augenblicke ist endlos, ist Unendlichkeit.