Unterwegs nach Wolgograd

 

Ein Vorwort.

Texte sind selten endgültig fertig. Aufgrund der Länge dieser Reise und der besuchten Regionen in Russland sind meine unterwegs gemachten Notizen und kleinen „Mitbringsel“, z.B. Gegenstände wie Visitenkarten, Hotelrechnungen, Steine, Prospekte, Stadtpläne u.ä. noch nicht sortiert und geordnet. Erschwerend kommt hinzu, dass ja das Allermeiste in russischer Sprache abgefasst ist und erst übersetzt werden muss. Alles zusammengenommen hat die Aufgabe, die kleinen Erlebnisse unterwegs, die sonst viel zu schnell im Kopf verblassen, lebendig zu halten durch ihre Gegenwart.

Ich bin dabei, diese Reise als Lichtbildervortrag zu erstellen. Bei Interesse bitte ich Sie, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Hier nochmal meine Rufnummer: 05069-96443




Die ausgewaschenen Steilufer der Wolga Arme in der tiefen Einsamkeit der Trockensteppe hinterließen bei mir manchmal eine melancholische Grundstimmung. Ich konnte mich schlecht von diesen Bildern lösen.




Nur im Unterbewusstsein nahm ich zuerst in der Nacht wahr, dass draußen ein Gewitter tobte. Blitz und Donner hätte ich glatt verschlafen beim leisen, einschläfernden Rauschen der Klimaanlage. Aber das Prasseln des Regens auf dem metallenen Fensterbrett war zu aufdringlich. Ich wurde wach, stand auf und schaute aus dem sich in luftiger Höhe liegenden Hotelfenster über das sich bis zum Horizont ausdehnende flache Wolga Delta, über dem unaufhörlich, kaum ohne Pause, Blitze niedergingen.

Ein erregender Anblick, aus meiner Perspektive, aus dem sichern Blick des Zimmers heraus, denn ich liebe solche Naturereignisse. Doch nicht auf einem Berggrat wandernd, dann hört die Liebe zur Natur auf. In solchen Situationen habe ich andere Erfahrungen gesammelt, die aber nicht hierher gehören.

Die Äste der großen Bäume, die gerade noch mit ihren Kronen knapp unter mein Fenster reichten, bogen sich, von flackernden Blitzen in unwirkliches Licht getaucht, mal hierhin und dann wieder in eine andere Richtung und mache Baumkronen auch beides gleichzeitig, um gleich darauf dann wieder im Dunkel zu verschwinden. Ein wildes Naturspektakel bei dem manchmal das Rauschen der Blätter und des Regens so laut war, dass sogar der Donner Mühe hatte, den Lärm zu übertönen. Blendende Blitze und peitschender Donner, sich unablässig wiederholend, ließen die Welt erzittern, wenn alles ganz nahe passierte. Ein Schauspiel der Natur, dass ganz nach meinem Geschmack war, das mich faszinierte und dem ich mich nicht entziehen wollte.

Dann, als die himmlischen Elemente sich ausgetobt hatten, schlief ich ein und wieder musste mich der Küchenchef des Hotels in Astrachan wecken, weil mein Kaffee kalt zu werden drohte. 

Ich war der einzige Gast im Hotel, der zusätzlich Frühstück zur Übernachtung gebucht hatte. Deshalb die besondere Aufmerksamkeit.

Irgendwie scheint in Russland das Regenwasser Kanalisationssystem nicht gut zu funktionieren. Die Nebenstraßen standen teilweise unter Wasser und das auch Stunden später noch, als ich wieder einmal vom Wege abbog, um die Dörfer längs der zweiten nach Wolgograd führenden Straße zu besuchen. Wasser überall, doch die Sonne heizte tüchtig ein und so war es nur eine Frage der Zeit, bis alles Nasse verschwunden war und sich in nur schwer zu ertragende Schwüle verwandelt hatte.

Getreue meinem Grundsatz, "Hier kommst Du nie mehr her, besuche das, was zeitlich überhaupt möglich ist und lass die Kamera nicht ruhen," begann ich die Wolga Ufer und die Dörfchen wie schon so oft, zu  Fuß wandern zu ergründen. Irgendwie ähnelte sich alles und doch hatte jeder Ort seinen eigenen Charme, seinen Charakter, denen ich mich - ich schrieb es schon - nicht entziehen konnte. Die Einfachheit der Szenerie hatte es mir angetan. Doch es war zu oberflächlich, das war mir klar, nur aus meiner Perspektive des Betrachters, die wirklichen Lebensumstände der Bewohner bestenfalls in Ansätzen erfassen zu können. 

Die allgegenwärtigen Mücken störten mich nicht mehr. An sie hatte ich mich bereits angepasst und es war ja auch nicht so, dass sie mich je gestochen hätten. Niemals stachen sie mich. Sie waren nur da. Das schrille Sirren und das Kribbeln auf meiner Haut störte mich am Anfang, wenn sie sich auf mir zur Ruhe setzten. 

Die tiefe Ruhe, die über der Landschaft lag, zog mich auch hier wieder an. Ich schaute und fotografierte und plötzlich verlor ich den Boden unter den Füßen, noch während ich auf den Auslöser der Kamera drückte. Oder genauer, ich ging mit dem Steppenboden, auf dem ich stand, auf Talfahrt. Ich riss instinktiv die Arme nach oben. Nicht wegen mir, sondern wegen der Kamera. Es ging rasant, fast geräuschlos und ehe ich begriff, was wirklich vor sich ging, lag ich auf dem Rücken mit nach vorn gestreckten Armen unten am Flussufer, wo ich eben noch gestanden hatte - und schaute den Steilhang hektisch prüfend hinauf, ob er weitere Überraschungen bereit hielte. 

Die Steilufer sind in diesem flachen Land sind ausgesprochen außerordentlich attraktive Erscheinungen.

Überraschungen der Art, die mich mit Sand und Steinen hätten verschütten können. Die Erdmauer sah friedlich aus und es war wohl nur mein unvorsichtiger Schritt auf eine der sich durch den Regen in der Nacht aufgeweichten Erdscholle gewesen, der mein zusätzliches Gewicht gereicht hatte, mit mir gemeinsam zu "erodieren" und auf Talfahrt zu gehen. Nichts ernstliches war passiert, dazu war die "Fahrt" zu kurz gewesen. Ich grinste. "Ötzi in seiner Schneelawine hatte nicht so viel Glück, wie ich auf meiner Geröll Lawine...

Es waren ja nur sechs oder sieben Meter, die mich mit und durch roten Sand und Geröll nach unten zogen. Die Gefahr war vorbei, das zeigte mein mein zweiter, mein längerer, prüfender Blick nach oben. Nichts würde mehr fallen. Nichts sah locker und instabil aus. 

In sicherer Entfernung dicht am Wassersaum ging ich dann daran, meine Bekleidung notdürftig abzuklopfen. Aber ich sah ein, dass mein Bemühen umsonst sein würde und ich das  Aussehen der Leute angenommen hatte, die als "Wilde" Kriegsbemalung angelegt haben . 

So schmutzig konnte ich unmöglich ins Hotel gehen. Deshalb nahm ich das erste und einzige Bad während meiner Reise außerhalb von Hotelbadewanne oder Dusche. Ich watete ins braune Wasser der Wolga. Weiter weg vom Ufer, als die erste Gänsehaut durch das kühle Wasser überwunden war, schwamm ich Runde um Runde  - wenn schon nass, dann aber richtig - um mir den Schreck und roten Dreck vom Körper zu spülen und schwamm immer noch im träge dahin fließenden Wasser der Wolga, als längst schon der letzte Krümel roter Erde aus der Rutschpartie von meiner Haut gespült war. 

Es war herrlich, ganz unbesorgt im fast strömungslosen Wasser der Wolga auf dem Rücken treibend, in den Himmel zu schauen. Zu herrlich. Noch in den sich immer mehr ausbreitenden inneren Frieden und in die Freude am Schwimmen, bekam ich wieder einen Schreck. Plötzlich erinnerte mich an den Reiseführer, der von anderthalb Tonnen schwer werdenden Raubfischen, einer Störart, den man Hausen nennt, berichtete. Ich hatte das nicht wirklich geglaubt, denn der Fisch steht unter Naturschutz und wird selten sein. Doch da, wo er sich aufhält, soll er sich lautlos an seine Opfer schleichen, die gelegentlich aus Kaspischen Robben bestehen.  

Sein Revier endet erst am 300 km entfernten Wolgograder Staudamm wusste ich, und dass ich bisher keinen Angler mit Stör am Haken gesehen hatte, beweist gar nichts! Meine Anatomie, mein Aussehen und auch mein Gewicht ähneln für für einen sehschwachen Hausen, dem einer Robbe. Daran ist nicht zu zweifeln und diese plötzliche Erkenntnis löste einen ungeahnten Adrenalinstoß in mir aus. Mit wenigen, aber Olympia verdächtigen Schwimmzügen war ich am Ufer. Stieg aus dem Wasser - aufatmend, einen kurzen Blick zurückwerfend ob sich eine Rückenflosse nähert  -  und machte mich schwer atmend auf den Weg, um am Auto neue Bekleidung anzuziehen. 

Das ich bis dorthin - schon wieder muss ich das Wort "Wilder" bemühen - splitternackt durch die Steppe nur mit einem Fotoapparat behängt, Schuhen an den Füßen und ein Kleiderbündel unter dem rechten Arm bis zum Auto laufen musste - der verschmutzten Sachen wegen, die ich nicht anziehen wollte - war mir unangenehm. Doch ich sah niemanden, der mich hätte sehen können und wenn doch, hat er oder sie sich garantiert taktvoll von mir weggedreht.

Am späten Nachmittag erreichte ich Wolgograd und nach einigem Suchen auch mein Hotel Radisson- Park Hotel, das ich bei der Buchung speziell wegen seiner bayerischen Küche und seinem bayerischen Bier ausgesucht hatte. Es erfüllte mehr, als meine Erwartungen.

Doch bevor ich von Wolgograd berichte, lasse ich wieder einmal wenige Fotos von meinem Weg bis hierher, sprechen.  

Dies ist eine der sich gelockerten Abbruchkanten, Gut, dass sie unter einem wegbrechen, wenn ein Fotografierender nicht aufpasst, wohin er tritt....





Eine Pumpstation und rechts daneben im Bild die Stromversorgungsanlage für die E-Motoren. Diese Stationen dienen der Bewässerung der Felder im Hinterland.




Ich vermute, ein Köderfisch für einen Angler.


Den Anglern über die Rute zuzuschauen, war von ihnen nicht erwünscht. Man erkannte es an ihren Minen. Und ich habe auch garnicht erst versucht, mich mit ihnen irgendwie zu verständigen.




Der Blick auf ein typisches Dorf. Ich kann mir kaum vorstellen, dass hier Reichtümer geerntet werden. Und ich stelle mir vor, wenn hier in dieser Landschaft, in der es wenig Schnee, aber bittere Kälte im Winter unter - 30 Grad - gibt, wie schwierig es sein muss, diese Häuser warm zu halten. Aber, Vielleicht wohnt im Winter auch niemand hier, und diese Gebäude werden nur im Sommer genutzt.





Wolgograd - Stalingrad. 

Eine  Stadt, deren Geschichte überall in der Stadt sichtbar ist. Aber die Menschen selbst leben nicht in der Vergangenheit. Sie sind Menschen unserer Zeit. Sie begegneten mir überall freundlich, aufgeschlossen und sind höchst modern. 

Wolgograd, Eine Stadt, für die man sich mehr Zeit nehmen sollte, als ich sie mir nahm. Übrigens gilt das für alle Städte, die ich in Russland besuchte. 

Sie und die Umgebung um sie herum, halten eine Fülle an Wissenswertem und Sehenswertem bereit, die eigentlich nur bei einem gezielten, längeren Besuch jeder dieser Städte wirklich erfasst werden kann. Als Nachlese vielleicht, in der das Grobe dann in seinen Feinheiten weiter verarbeitete, präzisiert werden kann. Ich bin sicher, als neuer Begeisterter von Russland, dass ich dies tun werde, sofern politische Verschiebungen nicht das Aus für solche Pläne bedeuten. 

Modern ist alles, denn von den Gebäuden vor "der Schlacht um Stalingrad" ist kein einziges stehen geblieben. Die Stadt hat sich völlig neu entwickelt.

Jaroslvl, Nizny Novgorod, Kazan, Ulyanow, Samara, Tolliati , Wolgograd und Astrachsn - sie alle verdienen, nochmal genauer unter die Lupe genommen zu werden, deren Geschichte zu hinterfragen und deren Kulturangebote zu nutzen. Denn Ballett und Oper spielen in allen dieser Städte eine große Rolle. Doch um dies tatsächlich durchzuführen und die Städte im Detail zu erforschen, nimmt man - glaube ich - ein Flugzeug und fährt nicht mit dem eigenen Auto, so wie ich es tat. 

Nun aber wirklich Wolgograd - das mich zuerst mit eisigem Wind, Temperaturen um 9 Grad und Regen empfing. Ich fotografierte trotzdem und dass die Fotos nicht so brilliant sein können, als wären sie bei Sonnenschein geschossen. Die Staumauer des des Wolgograder Stausees, der mit 627 km zu den größten Stauseen der Wolga gehört, versuchte ich gar nicht erst zu fotografieren, weil im Regen das andere Ende der Mauer nicht zu sehen war. Fotografen Pech.

Am nächsten Tag klarte der Himmel auf und ich machte mich auf, um den Mamaev Hügel zu besuchen, der überragt wird von der auf seiner Spitze stehenden "Mutter Heimat Statue." Sie ragt von vom Podest bis zur Schwertspitze 82 Meter hoch in den Himmel und ist damit höher, wie Freiheitsstatue in New York. Doch zuerst bitte ich Sie, mich auf einem nicht allzu langen Spaziergang unter einem Schirm durch die Anlagen zu begleiten, die sich vom Passagierhafen bis in die Innenstadt ausdehnen, die nicht weit entfern liegt. Im Grunde ist der Hafen Teil der Innenstadt und es sind auch nur 100 Stufen einer Granit Treppe, die zu überwinden sind, bevor man in stufenloses Gelände kommt. 

Die Allee der Helden schließt an die Treppe an. Sie ist ein unter großen Bäumen liegender Grünstreifen, der mit Blumenrabatten und Springbrunnen geschmückt ist.

Nachdem die Lenin Straße überquert ist - Lenin ist überall in Russland - mündet die Parkanlage in in den "Platz der gefallenen Kämpfer." Ein Obelisk über einem Massengrab erinnert an die während des Bürgerkrieges gefallenen und ermordeten "Bolschewiken."

Eine Pappel steht, etwas seitlich der Parkanlagen, als lebendes Wahrzeichen gewissermaßen, weil sie der einzige Baum ist, der die Schlacht 1942/43 bei Temperaturen um -40 Grad überlebt hat.

Eine Menge Gedenktafeln säumen den Grünstreifen bis zum Platz der gefallenen Kämpfer und noch etwas oberhalb des Platzes befindet sich der Hauptbahnhof der Stadt, ebenfalls ein "Schmuckstück.   






Der Eingang zu einem 5 Sterne Hotel am Platz der gefallenen Kämpfer. Äußerlich sieht man dem Hotel "die 5 Sterne" nicht an.


Fliegende Händlerinnen - und Händler müssen sich in ekliger Kälte selbst in die zu verkaufenden "Kunstpelze und Mützen" am Hafen einhüllen.





Der Mamaew Hügel und das sich weit über die Dächer der Stadt erhebende Denkmal der "Mutter der Heimat."


Die Sonne meinte es gut mit mir, als am frühen Nachmittag die Wolken eines verregnet begonnenen Tages aufbrachen und den gewohnt blauen Himmel über der Stadt wieder freigaben. So machte sich gleich eine beschwingte, heitere Grundstimmung überall bemerkbar und auch bei mir. Die Stadt, gesten noch in düsteres Grau gehüllt, wurde mir nun von der Sonne in den schönsten Farbabstufungen vorgestellt und ich hoffte, unter blauem Himmel auch den legendären Mamaev Hügel besichtigen zu können. 

Er war Tagesziel und ich kam, nach einigem Suchen - weil mein Navigationsgerät wieder einmal einen fast unbefahrbaren Weg ausgesucht hatte - später doch noch in die Nähe des Ziels. Dann lag nur noch Wiese vor mir. 10 Meter über mir flutete der Fußgängerverkehr und als ich den steilen Abhang nach oben erkletterte, kam ich zwar umständlich, aber doch noch ans Ziel. 

Bei allem, was mir in Russland schon den Atem in Größe und Schönheit stocken ließ, diese Anlage auf diesem Hügel brauchte sich vor keiner Sehenswürdigkeit in irgend einer anderen mir bekannten Stadt vestecken. 

Erst 1967 wurde das Mamaev-Kurgan Denkmal eingeweiht und wurde damit zum beeindruckensten Denkmal an den zweiten Weltkrieg - nicht nur der Sowjetunion! Von hier aus ist die ganze Großstadt Wolgograd einsehbar.

Kein Wunder dass dieser Hügel aus strategischer Sichtweise militärisch so wichtig war, um die unten an der Wolga liegenden Industriebetriebe zu erobern und zu besetzen. So tobten hier 1942/ 43 die mächtigsten Kämpfe. Zehntausende russische und deutsche Soldaten verloren ihr Leben und an manchen Tagen wechselte der Hügel bis zu zehnmal den Besitzer. Glaubt man den Überlieferungen, war der Hügel nach Beendigung der Kämpfe so dicht mit Metall bedeckt, dass kein Gars mehr auf ihm wuchs.

200 Stufen - soviel Tage, wie die Schlacht um Stalingrad dauerte - hat die Treppe, die auf den Hügel führt. Oben, auf dem Hügel steht dann die "Mutter Heimat" mit gezücktem Schwert zm Kampf aufruft. Ein wahrhaft eindrucksvolles Monument.

Die Treppe selbst ist auf einer Seite gesäumt von Skulpturengruppen, die Kampfszenen darstellen. Links der Stufen befindet sich eine Mauer mit Inschriften. Oberhalb der Reliefs befindet sich eine Gedenkhalle, in deren Mitte ein "ewiges Feuer" brennt und in der der im oberen und unteren Eingang und vor den Gedenktafeln Wachsoldaten aufgezogen sind Eine der regelmäßig stattfinden Wachablösungen konnte ich gerade noch beobachten, weil mich die 82 Meter hohe "Mutter Heimat" durch ihre Größe und Dynamik, die sie ausstrahlte, völlig in ihren Bann gezogen hat. 

Die Passanten, die ich bat, mich zu fotografieren, schnitten mir immer die Füße ab. Das war in Russland nicht anders als Zuhause.

Bei einer Höhe vom Fundament von 82 Metern übertrifft sie die New Yorker Freiheitsstatue und das zum Himmel gestreckte Schwert wiegt 33 Tonnen. Die Staue rund 8000 Tonnen.

Noch oberhaln längs eines Weges zum Gipfel liegen Grabplatten, die an Helden der Sowjetunion erinnern. 

Die links vom Denkmal stehende Kathedrale mit ihren goldenen Türmen wirkt in dieser Umgebung geradezu klein, obwohl auch sie ein ansehnliches Gebäude darstellt.

Von oben ist das Fußball Stadion gut zu erkennen, das am Fuße des Hügels liegt und seine vielen Baukräne zeigen: Russland rüstet sich auf die Fußballmeisterschaft 2018.


Im Vergleich zu den Besuchern wird die Größe der Skulptur besonders deutlich.

 


Die Kathedrale links unter der Skulptur wirkt dagegen geradezu bescheiden.



Die Burschen sind ungeheuer schlank. Eigentlich fast Striche. Einen davon, am Eingang, sah ich zuerst als lebensgroße Puppe, bis ich bemerkte, dass er mich mit den Augen verfolgte. Kompliment nachträglich, für so viel Selbstbeherrschung. unbeweglich alles über sich ergehen zu lassen. Etwas übertrieben fand dich das "Herumzupfen" am neu aufgezogenen Soldaten, der das regungslos über sich ergehen lassen musste. Es gab nichts zu zupfen, das Zupfen war unangemessen und störte die Stimmung, fand ich, wie schon geschrieben.









Nach diesem mich äußerst beeindruckenden Ausflug zum Mamaev Hügel, wollte ich an meinem "wilden Parkplatz ins Auto steigen. Vielleicht war ich mit meinen Gedanken noch dort oben bei den Skulpturen, die mich nicht nur historisch interessierten, sondern die mich auch unter künstlerischen Gesichtspunkten "gepackt" hatten und nicht zum ersten Male dachte ich über den Wahnsinn jeden Krieges nach. 

Jedenfalls war ich beim Einsetzen des GPS Navigators, (ich nehme das wichtige Gerät immer mit, um Einbrüchen im Auto vorzubeugen) den ich erst vor wenigen Tagen unter großem zeitlichen Aufwand und noch mehr "Nerven" gekauft hatte, unaufmerksam. Ich ließ ihn fallen, er prallte auf eine Stein und der Bildschirm  zerbrach.

Das hatte mir gerade noch gefehlt! Wieder ohne GPS. Ich war wütend. So wütend, dass mir der Schweiß von der Nasenspitze tropfte. Ich regte mich - das ist bitterer Ernst - fürchterlich über mich selbst auf. Der Blutdruck muss in bedenkliche Höhen geschossen sein. Dann regte ich mich ab, überdachte meine Lage und sortierte meine Gedanken. Immerhin befand ich mich in einer Millionenstadt und nicht in der Provinz. Das muss doch ein Ersatzgerät zu finden sein.  Fragt sich nur wo die Fundstelle liegt und dann machte mich auf die Suche nach einem neuen Gerät. Ein riesiges Kaufhaus, mit Straßennamen innen wurde von mir durchkämmt. Drei Stunden vergingen. Nichts. Dann, im letzten Laden im letzten Winkel des Obergeschosses wurde ich fündig. Nochmal das gleiche Gerät zum gleichen Preis stand da mit vielen anderen in einer Vitrine und wartete auf Käufer. Ich war einer davon und als mir der junge Verkäufer das Gerät auf deutsche Sprache eingestellt hatte, schein in meiner Reisewelt wieder strahlender Sonnenschein.

Das Abendessen im Radisson Park Hotel versprach ich mir als Belohnung für meine Ausdauer bei der Suche nach dem GPS Gerät. Es gehörte zu den Top 3 Essen, die ich unterwegs genossen hatte. Cholesterin und kalorienreich und schmackhaft dazu, wurde es zünftig in der Pfanne gereicht. Es schmeckte wie versprochen: Bayerisch. Da Geschmack aber nicht gut zu beschreiben ist - es sei denn, ich halte es mit den "Weintestern", die Bezeichnungen wie nussig und ähnliches verwenden, ich mir aber kaum jemals etwas darunter habe vorstellen können -  lasse ich das Foto sprechen. Jeder wird für sich selbst "schmecken", was ich meine. "Im Abgang" erinnerte es mich an die Bratwurst während eines Grillnachmittags im heimischen Garten. 

Nur die Bratkartoffeln, versteckt unter den Riesenportionen tierischen Ursprungs, waren hier in dieser russischen Stadt noch besser als zuhause! 

Aufgegessen habe ich das alles nicht. Dreiviertel der "bayerischen Pfanne" ging zurück. Mir blutete das Herz, aber was nicht rein geht, geht eben nicht rein. Und das der Spaß nur Euro 10,00 gekostet hatte, tröstete mich überhaupt nicht. 

Aber ein Bier ging noch rein. Zuerst ein Kleines und dann ein ganz Großes. Dann ging ich - rein. Ins Bett und noch beim Ausziehen schlief ich ein und am nächsten Tag konnte ich mich nur unter ganz großen geistigen Anstrengungen daran erinnern und bin nicht mal sicher, ob ich mich richtig erinnere...

Es wird jetzt Ernst. Ab sofort bin ich auf der Rückreise, wenn auch die Heimfahrt noch lang und eine Woche dauern wird. Im Grunde bin ich schon seit Astrachan auf der Rückreise. Doch ich habe es so gelegt, dass Wolgograd als letzte große Stadt auf meiner Russlandreise etwas intensiver "durchforscht" wird, weil so viel uns Deutsche brührende Vergangenheit damit verbunden ist und ich mir deshalb mehr Zeit lasse, die Sehenswürdigkeiten zu erlaufen. 

Dummerweise regnete es die halbe Zeit und so verbrachte ich lesend im Hotelzimmer. Doch der Zwangsaufenthalt gab mir die Zeit, die Heimreise genauer zu planen und nun, nachdem ich spüre, wie strapaziös alles ist, bin ich froh, nicht noch zum Kaukasus gefahren zu sein. Das war von vornherein nicht geplant, war nur eine Idee, die mir plötzlich in Astrachan durchs Gehirn schoss und die ich nach längerem Hin- und Her Überlegen, fallen gelassen habe. 

Es ist schon so. Die Strapazen waren bisher beträchtlich und sind es immer noch. Alles verstehen, alles sehen, sich alles merken - und das ohne russische Sprachkenntnisse, die wirkliches Verstehen ja erst möglich machen. Doch ich tröstete mich, täglich in Mini Schritten die kyrillische Schrift zu entziffern und übte am meisten im Straßenverkehr und in den Hotels. Oder auch in den Fahrstühlen, bei denen ich die Bedienungsanleitungen wie ein Schüler studierte. In einem Hotel, welches 22 Stockwerke hoch war, fuhr ich, weil ich so langsam im Begreifen war, sechs mal rauf und runter und wusste dann, dass der Lift für acht Personen zugelassen war und er im Feuerfalle nicht benutzt werden soll.

Direkt am Objekt, an dem, was gebraucht wird, lernt es sich am besten. Unten, an der Rezeption, sah mich der Angestellte irritiert an, als ich ihn ungebührlich lange anstarrte, weil ich sein Namensschild zu entziffern versuchte. Gleich danach klärte ich ihn auf. Das war ihm noch nie passiert und so hatten wir beide was zum Lachen. 

Lachen ist - gleichwertig neben der Zeichensprache - eine Art der Kommunikation, die überall in jedem Land gleich ist, die in gewissem Sinne angeboren ist und deshalb von jedem menschlichen Wesen auf Anhieb verstanden wird. Wer ehrlich lacht, kann nichts Schlechtes im Schilde führen. Ehrlich, darauf liegt die Betonung. Mit dieser frühkindlichen Erkenntnis und Erfahrung gesegnet, betrat ich JEDES Hotel in Russland und begegnete JEDEM Menschen dort im fremden Land mit einem Lächeln im Gesicht. So wurde die Fremde etwas heimischer, weil jeder ganz unbewusst dann auch nicht anders konnte. Das, glaube ich, hat die Reise bis hierher trotz so vieler Mängel vor allem an mir selbst, zu einem Erlebnis werden lassen, welches unvergessen bleiben wird. Und mit meinem Lächeln im Gesicht haben sich mir die Menschen, die Russen aufgeschlossen und in einem Licht gezeigt hat, wie ich es vorher nicht für möglich gehalten hätte! 

Wie schlecht mag es den Menschen auf einer solchen Reise gehen - wie arm sind diejenigen dran, die aus "Verhärtung", falschem Ego - das von anderen hinter vorgehaltener Hand ohnehin nur belächelt wird - und völlig falscher Selbstwahrnehmung nicht in der Lage sind, frei und ungezwungen den Menschen zuzulächeln. 

Wenn sie es doch versuchen, weil es sich so gehört oder zweckmäßig ist, können sie dabei nie verbergen, dass ihr Lächeln künstlich und unehrlich ist. 

Keine Sekunde meines Lebens möchte ich mit solchen "Erstarrten" tauschen. 



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