Eine Reise. Eine ungewöhnliche Reise. Eune lange Reise. Für mich. Für mich auch Herausforderung. Vor allem an mein Fahrzeug. Doch auch an mich, der gelegentlich dem Heimweh verfällt. Doch das kenne ich von vergangenen Reisen. Das weiß ich zu bekämpfen und ein dickes, kaltes Bild vertreibt schnell eine sich anbahnende "Trübstimmung"


Die Herausforderung, unterwegs zu sein im größten Land der Erde, um den größten europäischen Strom von seiner Geburt in den Valdai Höhen mit dem Auto zu begleiten, der ins größte Binnenmeer der Welt - das Kaspische Meer - mündet und das westlich davon vom größten und höchsten europäischen Gebirgszug, dem Kaukasus mit über 5600 Metern  Höhe begrenzt wird. Es geht neben der überall sichtbaren und fühlbaren der Größe dieses Landes auch um die Geburt, das Wachsen, das in die Breite gehen und schließlich um den Tod eines Stromes, dem nur Eines fehlt: Die Wildheit der Jugend und das Temperament der mittleren Jahre. Das bleibt ihm aufgrund seiner Quelle, die in nur rund 350 Metern über dem Meeresspiegel sein Wasser zu Tage treten lässt, verwehrt. Die Wolga hat also kein Gefälle, dass ihrer Mächtigkeit gerecht würde. Sie ist ruhig und vielleicht gerade wegen dieser Ruhe wird der Strom auch "Mütterchen Wolga" genannt. Vielleicht ist es so. Vielleicht auch nicht, mir bleibt nur die Vermutung. Und noch etwas ist anders, als bei anderen Flüssen: Ihr Wasser ergießt sie in ein Binnenmeer, dessen Wasserspiegel 28 Meter unter Meeresniveau liegt und schon vor Wolgograd, über 600 km vor ihrer Mündung, fließt sie unter Meeresniveau!

Gegen diese Superlativen des russischen Riesenreichs ist ein Mensch wahrhaft klein und Zentimeter auf der Landkarte entpuppen sich als stundenlange Autofahrt. Das Umdenken müssen von westeuropäischen Maßstäben zu Größenordnungen, die nur der Ozean bereithält und noch übertrifft, beginne ich gerade zu lernen. 

Noch kleiner und bescheidener wird ein Mensch, der es wagt, mit dem größten nur denkbaren russischen Sprachdefizit loszufahren,um es mit den erwähnten "Riesenhaftigkeiten" aufzunehmen. Derjenige bin ich. Und doch bin ich mit meiner Behauptung unfair meinem Auto gegenüber. Nicht ich, mein Auto trägt die Last und bewältigt Strassen, die manchmal ihre Namen nicht verdienen. Ihm bin ich zu Dank verpflichtet, wenn ich nur wüsste, wie das anzustellen wäre. Mit Motoröl ist es versorgt, Der Reifendruck stimmt auch und auch die Kühlung ist in Ordnung. Es könnte etwas größer sein, mein Kombi. Aber ich bin selbst kein Riese und so werde ich mich mit dem Gepäck auf irgendeine Weise arrangieren. 

Der Mensch, der diesen vollgepackten Kombi steuert, ist noch am Leben, kann aber kein Geld aus dem Automaten abheben um am Leben zu bleiben, weil dieser leichtsinnige Mensch nicht russisch lesen kann, was der Automat von ihm wissen will. Englisch versteht weder der Bankomat noch die Menschen in diesem menschenleeren Land, und so bleibt die primitive Zeichensprache übrig und manchmal kommen die merkwürdigsten Sachen dabei heraus - nur kein Geld!


4. Reisetag

Eine prachtvolle Strasse in Russland, die erst in Pskov in der qualität nachließ.

Der Grenzübertritt von Lettland nach Russland verlief erwartungsgemäß schleppend. Besser gesagt, ich war an der Grenze angelangt, bevor ich mir wirklich klar darüber war. Die Kontrollen waren in Lettland gründlich und in Russland nicht weniger, dafür in  Russland aber freundlicher. 

Man fand nichts bei mir, man nahm das Auto fast auseinander und fand immer noch nichts und plötzlich war man das unergiebige Spiel leid. 

Nach vielen Fehlversuchen, die Zollerklärung in russisch auszufüllen, erinnerte man sich daran, das es auch Zollformulare in deutsch gab! So war der Rest eine Sache von Minuten. Immerhin fünf Fahrzeuge fertigte man an diesem Vormittag ab und jedes von ihnen benötigte rund 3,5 Stunden. 

Das wuchtige Hotel in Pskov, dass aber qualitativ unterdurchschnittlich ist

Danach fuhr ich Pskov nur deshalb an, weil es in der näheren Umgebung keine Hotels gab. 



Lenin überall

Den Umweg bereute ich nicht. Wetter prima, Hotel weniger prima aber nettes Personal und Stadt prima. Das 4 Sterne Hotel, in dem ich zum Abend speiste, war der Abschluss eines anstrengenden, aber in vieler Hinsicht erkenntnisreichen Reisetages. 

Einige wenige Bilder sollen die Eindrücke untermauern.



Die Reste des Kreml in Pskov
Die kapelle im Kreml
Und selbst durch die Tür einer Kremlmauer sind andere geistliche Städten sichtbar.



5. Reisetag


Die Zeit verfliegt. 

2500 bisher gefahrene Kilometer sind keine Kleinigkeit und die 700 davon in Russland gefahrenen Kilometer zählen mehrfach. 

Ich übertreibe nicht. Das Fahrgestell des Autos wird es genau „wissen“ und zuhause vorzeitig neue Federn, Stoßdämpfer oder Sonstiges fordern. Es sind die „variablen Kosten“ einer solchen Reise, die später zu Buche schlagen. Manchmal erst dann, wenn die Reise längst von den Eindrücken anderer Reisen überlagert wird. Und trotz aller Bemühungen der Fahrzeugtechnik: Die Bandscheibe bleibt nicht von den Stößen verschont und vielleicht sind das die körperlichen „Spätkosten“, die man ungewollt zu zahlen hat, wenn man dieses russische Riesenreich befährt. Ich wollte es so, ich gewinne neue Eindrücke über Land und Leute und  vielleicht bin ich künftig zuhause etwas weniger kritisch, wenn nicht alles so glatt läuft, wie gewollt und gewünscht. 

Drüber fliegen und Gas geben - ich bin meist mit rund 100 gefahren. 90 ist erlabt, zuhause hätte man 10km/h angeordnet...


Der Schein täuscht. Hinten haben die Damen des Frauenklosters das Dach einstürzen lassen...




Das gilt nicht nur für die Strassendecken…

Die Stadt Pskov - die hier im Bild nicht abgebildet ist - liegt an der Autostrasse von Lettland nach St. Petersburg. Ich musste dort, weit abseits meines Zieles übernachten, weil es rundherum in den wenigen Kleinstädten keine Hotels gibt! Oder Bruchbuden. Ich entschied mich gegen die Bruchbuden und für den Umweg von 150 km und übernachtete in der Stadt "Pskov" im Ambiente der Stalinzeit.

Einer der unglaublich vielen Binnenseen.

Vom Frühstück bin ich generell enttäuscht, je „höher ich nach Norden“ fahre. Entweder es gibt keinen Kaffee oder keine Gabeln oder beides fehlt und manches kommt erst dann, wenn ich aufbreche - oder überhaupt nicht. 

Die Wolga, ungefähr 70 km von der Quelle

Das Essen ist ohnehin so, dass ich die Auswahl zwischen Toast und Toast habe und deshalb überlege, das Frühstück ganz wegzulassen und mir den Kaffee selbst zu kochen. Habe Tauchsieder, Kaffeekanne, Filter und Kaffe ausreichend mit.

Fünfhundertfünfzig Kilometer fährt man schon zuhause nicht einfach so runter. Hier gelten andere Maßstäbe und so ist man ohne Problem aber mit viel Sitzfleisch 10 Stunden unterwegs. 

Heute bin ich etwa die Strecke von Hannover nach München gefahren. Begegnet ist mir nichts. Es ist, ich wusste gar nicht, dass es so was gibt, eine fast menschenleere Gegend und das erklärt auch das Fehlen von Hotels. Ich musste eine Sweet nehmen - oder im Auto schlafen.

Bilder ohne Worte. Es kommt nicht so gut raus auf den Fotos, wie es in Wirklichkeit wirklich aussieht. Deshalb einFoto großformatig






Fast keine Menschen leben 

in der Taiga und die, die in den wenigen, überwiegend aus Holzhütten bestehenden Orten leben, scheinen auszusterben, denn die Häuser sinken in sich zusammen – vielleicht gemeinsam mit den Bewohnern oder kurz danach und entsorgen sich so von selbst. Und deshalb habe ich heute diesen Tag unter das Thema „Verfall“ gestellt. Alles verfällt. Alles. Selbst die Kirchen und wenn die Kirchen verfallen, wird auch der Mensch verfallen oder ist es schon oder wandert ab und flieht vor dem Niedergang.

Und deshalb wundere ich mich, doch noch einigen „jungen Gebliebenen“ zu begegnen. Das, was ich an Bildern einstelle, ist nicht ausgewählt. Es ist das, was so, wie abgebildet, generell zum Straßen und Landschaftsbild gehört und ich gebe zu, ich habe vieles nicht fotografiert, um die Menschen nicht zu brüskieren. Ich bin nicht abgebrüht genug, das Elend anderer für meine Zwecke zu verwenden. Es sind nicht schöne Fotos. Das können solche Fotos auch nicht sein, die den Niedergang eines Kulturraumes dokumentieren.

Kurz erwähnt werden soll die „Volga“ sein, die ich heute zum ersten mal 70 km nach der Quelle querte und ich war sehr überrascht, wie sie sich in der kurzen Distanz zum stattlichen Fluss gemausert hat. Die Quelle selbst ist morgen unter anderem mein Tagesziel.  





6. Reisetag

Ich wache ständig zu früh auf, während der Reise. Um 3 Uhr geht die Sonne auf und erwärmt die Luft im Hotelzimmer, die ich zugemacht habe, weil es von draußen stank. Zwischen den Hütten und über die Gärten legte sich in der Nacht ein Schleier aus Rauch, der vermutlich aus den Holzöfen stammt, die hier die Heizung darstellen. Es muß noch geheizt werden, denn es ist hier, ungefähr 200 km westlich von Moskau immer noch nicht Sommer. Deshalb ist auch die Heizperiode für Wohnblöcke staatlich verlängert worden auf den 1. Juni und das reicht immer noch nicht aus. Die Leute frieren. Ich habe bisher Glück gehabt bis hierher nicht zu. 22 Grad war angenehm, aber so wird es nicht weitergehen, denn es ist Dauerregen angesagt.  

Die Wolga Quelle war heute Teil meines Programms, der Dauerregen setzte ein, als ich zurück fuhr und es war ein Trip in durch eine Welt, welche fast menschenleer ist und es hat den Anschein, es gibt nur noch die Älteren, die in ihren Holzhäuschen bescheiden weiter leben. 

Die Straße zur Quelle zweigt 20 km vor dem Ziel ins Unbefestigte ab und ich kann mir nicht denken, dass sie befahrbar bleibt, wenn es tagelang regnet. Dann kam ich an - und war sprachlos. Dort oben an der Quelle ist man dabei, in Parkplätze zu investieren, wie sie besser nicht erstellt werden könnten und sogar zwei Hubschrauberlandeplätze sind entstanden. Es sieht so aus, als sei beabsichtigt man oder besser gesagt - man hat schon damit begonnen - diesen touristisch interessanten Punkt inmitten der Wälder  zu vermarkten. Mich würde nicht wundern, wenn in wenigen Jahren statt der alten Holzhütten moderne Hotels dort oben die Landschaft, in der sich Hirsch, Bär, Elche und Wolf Gute Nacht sagen, entstehen werden. Der touristische Ansturm war erstaunlich rege und so wundert mich, dass ich so gut wie kein Fahrzeug unterwegs getroffen habe. Wahrscheinlich bin ich vor dem Hauptstrom der Touristen aufgebrochen. 

Vielleicht schaffe ich es noch, ein paar Fotos hinzu zu fügen, denn ich muss das Hotelzimmer räumen. Sonst später.

Ich habe es bis heute nicht geschafft, die Müdigkeit übermannte mich immer. Aber hier in Kazan, 1000 km östlich von Moskau, reiße ich mich zusammen um das anzufangen aufzuarbeiten, was schon 10 Tage zurück liegt.

Hier nun ein paar Fotos der Wolga Quelle und es Flusses, wie er schon wenige km später aussieht. Wasser gibt es in Hülle und Fülle und so ist es kein Wunder, dass schon 170 km von der Quelle entfernt der Strom schiffbar ist.

Direkt die Quelle im Quellhaus
Im Hintergrund das Quellhaus, rechts im Bild bin ich




Noch ist die Wolga ein Bächlein...


Gleich zwei Kathedralen stehen etwas abseits


Ein Blick in die modernere der Kathedralen und auch, weil sie dichter am Weg steht


So wird dort oben gelebt.


90 km nach der Qelle


Der beschriebene Fahrweg unter dem die Wolga den Weg nach unten sucht. Sie "weiß" noch nicht, was man alles aus ihr herauspressen wird. Vor allem elektrischen Strom


70 km nach der Quelle


Und auch so. Das ändert sich bestimmt bald, wenn die Quelle besser zu erreichen ist. Vielleicht ist dieser planierte Erdweg der Vorläufer vom Teerweg


1100 km nach der Quelle im Regen


Oder hier ein Nebenarm





Und damit quäle ich mich auch noch rum...



7,8,9. Tag der Reise, 


Vorab: Die Bilder werde ich ausführlich beschreiben und wo die Fotos entstanden sind. die eindrücke überfluten mich und ich muss mir die Infos selbst erst wieder besorgen. Entweder aus meinen Aufzeichnungen oder - wahrscheinlich - von Ludmilla, die sie mir sicher gerne geben wird. 

und Kalendermäßig der Dreizehnte dazu und so war dieser Tag ein Pech- und gleichzeitig ein Glückstag. Jedenfalls war dieser Tag abwechslungsreich Pech Tag sehr abwechslungsreich und vor allem aufregend. 

Bild 1

Nach 119 km war heute vorübergehend Schluss mit der Fahrt durch "die grüne Hölle." 

Ein mörderisches Schlagloch machte seinem Namen alle Ehre und mordete mir den rechten Hinterreifen und die Felge gleich dazu. Übles tritt bekanntlich immer zum falschen Zeitpunkt ein und wenn es dabei in Strömen regnet, fern jeglicher Zivilisation, ist es besonders schlecht. Doch es gab auch etwas Gutes im Pech. 

Bild 2

Wie durch ein Wunder geschaffen, zweigte 10 Meter links von der Straße ein unvollendet gebliebener  Wirtschaftsweg ab. Den erreichte ich auf der Felge und konnte so abseits von gelegentlich vorei rasenden Lastwagen das Rad wechseln. Aber ich nahm mir vor: Ohne ZWEI Reservereifen fahre ich vom nächsten Hotel Stop nicht weiter! Und dann kam die 7, die Glückszahl des siebten Reisetages ins Spiel.

Besser gesagt, es war eine Glücksfee Namens Ludmila, mit der ich mich schon von zuhause aus in Jaroslavl - einer Großstadt nordöstlich von Moskau - verabredet hatte.

Bild 3!!!

Ludmila - eine Bekannte meines Freundes aus Alfeld - weit gereist und von großer Weltoffenheit - lehrt am Lyzeum Yaroslavl Fremdsprachen, ist stellvertretende Institutsleiterin und sie war es, die mir viele Türen öffnete und mit mir eine passende Werkstatt suchte, welche mir 2 Reifen bestellte und ein zweites Reserverad dazu. 

Das war nicht alles. Sie hatte sich vorgenommen mir Russland so zu zeigen, wie es hinter den Kulissen aussieht und wie man auf dem Lande lebt. Wie die Kloster und Kathedralen heißen und wie der orthodoxe Glaube "funktioniert" und gelebt wird. Sie zeigte mir ihre Datscha, die in absoluter Stille inmitten eines im Grün versunkenen 50 Seelen Dorfes liegt, in dem selbst das Zwitschern gewöhnlicher Vögel die Stille zu stören scheint, das Singen der Nachtigallen aber Ludmila zum Einschlafen bringt. Das letzte sagte sie, das erste empfand ich im Naturparadies. 

Sie zeigte mir Klöster, deren äußere Wuchtigkeit mit anderen Mitteln im Inneren fortgesetzt wurden und mir bei ihrer allgegenwärtigen Größe, die Sprache versagte. Der Regen konnte Ludmila nicht davon abhalten, ihr Vorhaben, mir Russland so zu zeigen, wie es "normale Reisende" kaum zu Gesicht bekommen, vorzustellen. Das ist ihr in überzeugender Weise gelungen und ich bin ihr zu größtem Dank verpflichtet. 

Bild 4

Hier einige Fotos, die überwiegend Klöster und Kathedralen zeigen, die ich aber jetzt wegen der Anstrengung des heutigen Reisetages erst morgen oder übermorgen beschreiben werde. Mögen die Fotos so lange aus sich selbst heraus wirken, wobei die Qualität wegen des Dauerregens eher mangelhaft ist. Doch gegen die Naturgewalten hat man keine Handhabe.  

Bild 5







Bild 6
Bild 7
Bild 8
Bild 9
Bild 10
Bild 11
Das Gartenhaus beherbergt eine Sauna, erzählte mir Ludmila. Und sie war bekümmert, weil durch die andauernde Kälte weder Johannisbeeren noch die Übrigen Gartenpflanzen "richtig in Gang gekommen seien,"


Ludmila vor ihrer Datscha
Perspektivisch ungünstig aufgenommen, denn Ludmila ist kaum kleiner als ich es bin.



10. und 11. Tag der Reise

Dieser Reisetag von Jaroslavl nach Nizny Nowgorod verlief genausso, wie die vorhergehenden -  wieder im Regen und erst spät am Abend, als ich schon ins Hotelbett krabbeln wollte, brach die Sonne durch die Wolken, so dass ich das Fotografieren auf den nächsten Tag verschob. Das sollte sich rächen, denn morgens verschwand die Wolga hinter dichten Nebel und Regenvorhängen. 

Dennoch, ich versuchte das Beste aus der Situation zu machen, um wenigstens ein paar Fotos mit nach Haus nehmen zu können. An der Reisegruppe, die mit mir nichts zu tun hat, ist erkannbar, wie es Strippen regnet und dass auch andere sich nicht davon abbringen lassen, sich die Sehenswürdigkeiten eines Ortes erklären zu lassen.

Der Kreml war mein Ziel. Er empfing mich kühl und feucht und verabschiedete mich nicht freundlicher, aber als ich Nizny Novgorod verlassen hatte, wurde es allmählich heller und heller am Himmel, blaue Flecken zeigten sich im eintönigen schwarzgrau, wurden größer und größer und bald übernahm nach tagelangem Dauerregen der Sommer das Kommando mit weißen Quellwolken am azurblauen Himmel und zauberte herrliche Motive an den Strassenrand. 





Anblick, Draufblick - bloß kein Einblick - in fremde, schöne Fenster. 


Bevor ich vom Fortgang meiner Reise schildere, die von sonnigem Wetter mit gelegentlichen, aber ansonsten unerheblichen Gewittergüssen gekennzeichnet war, lohnt es sich, einen Blick auf die Fenster der kleinen Holzhäuschen zu werfen, von denen ich viel zu wenige dieser Prachtstücke fotografiert hatte. 

Wie konnte ich annehmen, dass diese Fenster seltener werden würden und im Süden Russlands kaum noch zum Straßenbild gehören. Doch auf dem Rückweg werde ich die Kamera für einen „zweiten Aufguß“ bereithalten. 

Das, was ich bisher an Bildmaterial gesammelt habe – auch mit einem traditionellen Brunnen im Vordergrund – stelle ich als Sonderbeitrag ein. 

Man kann, ja man muss auf einer Reise auch verharren, die Anblicke genießen, sich besinnen auf das Kommende und das Gesehene und Erlebte „sacken“ lassen und gedanklich sortieren. 

Dieser Brunnen ist in Betrieb. Ich habe ihn ausprobiert. Jedes Haus hat einen Brunnen.

Übrigens geben die Umrahmungen Hinweise auf die Gegend, in der sie angewendet werden. Auch diese Information lieferte mir Ludmilla, meine unermüdliche Führerin durch die russischen geographischen Besonderheiten. 

Zurück in Deutschland, werde ich versuchen, mal sehen, ob ich Infos bekomme. 








Mein Hotel, welches ich aus Versehen doppelt buchte und bezahlte. Man kommt mit dem Datum glatt durcheinander...

 

Kazan. 


Wer nicht in Petersburg oder Moskau war, der war nicht in Rußland - hörte ich von russischen Reisenden, mit denen ich sprach. 

Ich kann das nicht wirklich beurteilen, denn beide Städte "umfuhr" ich bewusst. Sie hätten meinen Zeitrahmen gesprengt, aber die Städte Jaroslavl und Kazan lassen Zweifel bei mir aufkommen und auch einige Städte weiter im Süden, sogar am Kaspischen Meer.  

Der Millenium Park vor dem Hotel

Vorab: Der Text ist nicht überarbeit. Er ist - so wie es neue Häuser im Rohzustand also Rohbauten - ebenso roh und muß noch "verputzt" werden.  Ich arbeite gerade daran, aber er ist immerhin lesbar und nun mache ich mich erst mal an die Fotos. Auch die Beschriftung der Fotos hole ich nach - sie müssen erstmal für ein/zwei Tage für sich sprechen. 

Mir fallen die Augen zu vor Müdigkeit.

Der Kreml, der eine Vielzahl gepflegter Kultur beherbergt. Kazan ist eine Stadt in Tartastan, es sind also muslimische Tataren, die in Kazan "den Ton angeben. Aber nicht so streng. Ich habe deren - ich komme nicht auf den Namen für deren "Kirche"! - den heiligen Raum betreten. Alles ging weltlich zu und ich war sogar unangenehm überrascht, wie sachlich innen alles aufgebaut ist. Das ist von außen gesehen nicht zu erwarten. Insgesamt ein prachtvoller Fleck, der Kreml.

Meine Reise setzte ich in Nizny Novgorod, wie schon beschrieben, bei regnerischem Wetter fort und erreichte die anderthalb Millionenstadt Kazan am späten Nachmittag nach vielen, vielen Foto Stopps unterwegs und so zog sich alles ziemlich in die Länge. Das tut es immer. Bin ich doch innerlich so "getrimmt", unauffällig für die überall lauernden Verkehrskontrollen zu bleiben und mich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten zu halten. 

Aufgang zum Kreml.

Es gilt 90 km/h außerorts. Doch erlaubt ist bis 110 km/h schnell oder langsam - wie man es sehen will - zu fahren. Dabei pendelt sich alles bei 110 ein und auch innerörtlich bleiben die vorgeschriebenen 60 bis 70 km/h straffrei. bis 8 Eine merkwürdige Regelung und man wollte sie schon zigmal abschaffen, was nie geschah. Das kommt mir entgegen. Aber nach wenigen Reisetagen habe ich ohnehin erkannt, dass die Fahr als Solche und nicht das Ziel die Reise ausmacht. Fährt man langsam, findet sich viel 

Sehr orginell die Litfaßsäulen, die jede eine künstlerische Person darstellt. Ich habe gezählt: 51 Litfasssäulen...

"Festhaltenswertes" am schwarzen Band der Fernstrassen. Mich jedenfalls überholen fast alle Reisenden, und auf diese Weise halte ich die anderen Autofahrer und ihre Vehikel von "der Pelle." Denn was auseinanderstrebt, kann nicht zusammenprallen...

Das Hotel, welches mich in Kazan erwartete, war ein Luxustempel zum niedrigen Preis. Denn der niedrig notierende Rubel erleichtert die Reise enorm. Für 50 Cent/Liter Diesel umgerechnet fährt bei uns niemand sein Auto. Und waren die 

Die historische Kulisse lockt natürlich Malerinnen und Maler an, die sich von meinen fotografischen Aktivitäten überhaupt nicht ablenken ließen.

Hotelpreise noch vor 2 Jahren in astronomischen Höhen, buche ich jetzt vier Sterne Häuser immer als Doppelzimmer, denn Einzelzimmer werden gar nicht angeboten, für 35 Euro umgerechnet pro Nacht. Das ist eine günstige Wechsekurssituation, die sich auch sonst positiv auswirkt. Nur Käse ist merkwürdigerweise teuer und Bier nicht billiger als bei uns.

Einfach nur schön, ein Weg im Kreml zwischen den historischen Bauwerken.

Kurz ein Wort zur "Wegfindung."Ohne Navigationsgerät geht hier gar nichts. Mein Neues versagte seinen Dienst und ich war gezwungen, noch mal zum defekten Neuen noch ein Neues anzuschaffen. 

Hier spricht das Bild für sich

Das dauerte eine halben Tag, aber es klappte und mir fiel eine Zentnerlast von der Seele. Wie schon gesagt: In die Städte findet man nicht rein und raus auch nicht und wenn doch, weiß man nicht, wohin zu fahren ist, denn die Schriften...Ich erspare mir weitere Erläuterungen zu der Schrift, die ich zugegebenerweise beginne, in Ansätzen lesen zu lernen. Bei Verkehrsschildern zum Beispiel. Im Fahrstuhl bei der Beschriftung. Beim Namensscchild des Hotelpersonals und bei vielen anderen Gelegenheiten, bei denen Zeit vorhanden ist, wie ein Kind Buchstaben für Buchstaben zu übersetzen und mit der nötigen Fantasie kommt manchmal auch was Vernünftiges heraus.

Hier auch

Aber nun zu Kasan. Mir fiel bei der Ankunft schon auf, dass die halbe Stadt auf den Beinen sein musste. Klar, König Fußball bestimmte die Stadt und das Volk und alles war auf den Beinen. Vielleicht auch die längsten Tage des Jahres. Vielleicht gab es auch noch andere Gründ. Fußball jedenfalls war es in jedem Falle und als ich am Tage der Abfahrt auf ein riesiges Monument aufmerksam wurde, was unten im Bild gleich zu sehen sein wird, da wusste ich, die vergangene Nacht an einem Nebenfluss der Wolga wurde dort zum Tag gemacht. 

Die Müllwagen waren eifrig am Kehren und die aufgestellten Verkaufsbuden vor dem Monument ließen erahnen, dass diese Party noch lange nicht zu Ende ist! 



Jetzt, am dreizehnten Tag der Reise, als ich diese Zeilen schreibe, habe ich in einem miesen Hotel in der 20. Etage übernachtet mit Blick auf die Wolga, die hier so breit ist, dass nur mit Mühe das andere Ufer zu erkennen ist. Das entschädigt für den Pferdestall, der sich Bad nennt...Und hier hatte ich eine Aufregung, die zum Abbruch der Reise hätte führen müssen, wenn nicht...

Dieses Foto entstand bei der Abreise, bei der ein Nebenfluß der Wolga gequert werden muß und diese Bilder offenbaren Kazan aus einer anderen, entfernten Sicht.
Ich konnte unterwegs nicht in Erfahrung bringen, was diese fantastische, riesenhafte "Schale" darstellen bze. symbolisieren sollte. Mir blieb einfach keine Zeit. Also genoß ich, machte jede Menge Aufnahmen und die Bedeutung erfahre ich dann in Ruhe Zuhause.
Diese Figur, von denen es 4 Stck gibt, sind mindestens 10 Meter hoch. Im Hintergrund durch einen Nebenfluß der Wolga getrennt, der Kreml


Bitte den folgend Link anklicken, um auf die zweite Seite direkt zu gelangen:  Von Kazan weiter nach Süden durch eine bezaubernde Landschaft





Text und Fotos: Wolfgang Nieschalk