Reiseerzählungen und Kurzreisen im Jahr 2016

 

 

Mosigkau, Dessau-Rosslau, Wörlitzer Anlagen und Oranienbaumer Parksommer...

Man muß dort gewesen sein.

 

Nochmal Schloss Mosigkeit und ein Ausschnitt der rückseitigen Anlagen von Schloss Mosigkeit

Es sind die Kurzreisen, die kleinen Ausstiege aus dem Alltag, die kleinen Fluchten vom Schreibtisch und aus der gewohnten Umgebung, die oftmals tiefe Eindrücke der bereisten Gegenden in der Erinnerung festhalten. Dabei muss die Reise gar nicht weit sein. Manchmal reichen schon ein- oder zweistündige Autofahrten, um in Landschaften geführt zu werden, in denen die Menschen anders sind und auch anders sprechen.

So bietet sich Schloss Mosigkeit dar, wenn man das hohe schmiedeeiserne Tor durchschritten hat, welches den Schlossbereich von einer vielbefahrenen Straße davor trennt.

Mein Reiseziel mit nur zwei Übernachtungen führte mich nach Dessau-Rosslau an der Elbe und Mulde, die hier zusammenfinden und die die Elbe sichtbar größer werden lässt. Eine Stadt, die selbst mehr zu bieten hatte, als ich vorher angenommen hatte. Genaugenommen hatte ich gar nichts angenommen, denn die Reise kam nur zu Stande, weil ich einen meiner Hotelgutscheine, den ich in Bad Oldesloh einlösen wollte nicht einlösen konnte.

Die Kuppel eines Gebäudes im Tierpark von Dessau-Rosslau

Das Hotel war belegt. Also buchte ich kurzerhand Dessau und es wurde ein sehr geglückter Ersatz. Nicht nur das Hotel erfüllte alle Wünsche, auch die Stadt selbst präsentierte sich als Ort, den es sich zu erforschen in dem es sich zu bestimmt zu leben lohnt. Nicht zu groß, nicht zu klein, gerade richtig und auch nicht laut. Breite Straßen lockern das Stadtbild auf, durch die ein angenehmer Wind bei Temperaturen um 29 Grad wehte.

Diese architektonischen Unterschiede faszinierten m ich in Dessau. Blick von einem der zwei Innenstadteinkaufszentren durch das Glasdach auf die Kirche auf dem Rathausplatz.

 

 

 

Diese Symbiose aus Stadt und Wetter machten den Aufenthalt in Dessau-Rosslau zum ausgesprochen positiven Erlebnis und ließen ihn zur gelassenen Flanerie werden.

Alles war zu Fuß zu erreichen. Und für die, die auf den breiten Straßen und auch in den ausgedehnten Landschaftsparks "pflastermüde" werden, verkehrt  eine Straßenbahn - die einen Sitzplatz garantiert, denn fast immer waren die vorbeifahrenden Wagen fast ohne Fahrgäste.

Die Innenstadt von Dessau Rosslau. Der links nur zum kleinen Teil sichtbare Wohnblock, der ca 100 m länger ist, wie auf der Abbildung zu sehen, und der historische Kirchturm - das ist das im Text genannte, was mir in Dessau an vielen Stellen ins Auge fiel.

Dessaus Kultur war sichtbar vorhanden in Form des wuchtigen Schauspielhauses direkt gegenüber dem Hotel.

Wagner, Strauss und Brahms standen auf dem Spielplan und damit sind längst nicht alle Großen der Musik genannt, die im kommenden Winter die Zuhörer begeistern werden. Ich bedauerte, in der spielfreien Zeit gekommen zu sein. Ich werde das "Nichterlebte"  nachholen. Immerhin habe ich noch zwei Hotelgutscheine, die ich später sehr zweckgebunden in Dessau-Rosslau einlösen werde.

 

 

Die Doppelstadt Dessau- Rosslau selbst hat noch mehr zu bieten. Das Technikmuseum "Junkers" zum Beispiel, das ich aus Zeitgründen nicht besuchen konnte. Das Bauhaus und die Meisterhäuser fielen auch dem strengen Zeitplan zum Opfer ebenso das Schloss Luisium mit seinem Park. Doch das läuft nicht weg und so ist der nächste Besuch in Dessau-Rosslau schon wieder mit Besuchsterminen vollgepackt.

Unser Hotel

Überhaupt hat mich der Kontrast zwischen Plattenbauweise, welche in sanierter Form die Stadt beherrscht, (siehe Abbildungen oben) aber nicht als störend empfunden wird und der Baustiel vergangener Jahrhunderte aufmerksam werden lassen. Ein Foto soll dies veranschaulichen, welches eine Kirche am Marktplatz in Kontrast mit einer Plattenbausiedlung zeigt, was hier im Westen meiner Meinung nach so nirgends in dieser kompakten Form zu finden ist. Oder ich habe diese Orte noch nicht gesehen - das kann immerhin auch der Fall sein.

 

 

Das kleine Schloss im Park von Wörlitz.

Das Schloss Georgium habe ich besucht und auch den dazugehörigen Tierpark. Leider wird das Gebäude gerade saniert und so war ein Zutritt ausgeschlossen. Der Landschaftspark rund ums Luisium könnte mehr Aufmerksamkeit gebrauchen, was die Parkpflege angeht, aber vielleicht verbessert sich der Zustand, wenn die Öffentlichkeit erst wieder das Schloss als solches besichtigen kann.

Ein "Highlight" von Dessau Rosslau liegt nur wenige Kilometer westlich. Schloss Mosigkau ist wie ein Ausflug in die Vergangenheit. Das Innere des Schlosses fiel auch meiner begrenzten Zeit zum Opfer - der Rockokogarten nur zum Teil, dessen Wege von seltenen Orangeriepflanzen gesäumt sind. Mosigkau, ein Ort mit seinem Schloss, der auf keiner "Erkundungsliste" fehlen darf.  Der Höhepunkt dieser Reise aber ware der Wörlitzer Schlosspark.

 

Schon Goethe schrieb:

Ich konnte trotz des Lehrpfades für Tier und Pflanze nicht ergründen, welcher Gattung dieses steinerne Wesen angehören könnte.

 

"Hier ist's jetzt unendlich schön,

mich hat's gestern abend, wie wir durch die Seen,

Kanäle und Wälder schlichen, sehr gerührt,

wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben,

einen Traum um sich herum zu schaffen.

Es ist, wenn man so durchzieht, wie ein Märchen,

das einem vorgetragen wird, und hat ganz den

Charakter der elysischen Felder..."  

 

Dieses und die nächsten zwei Fotos zeigen Ausschnitte aus dem Wörlitzer Park.

Nach diesem kurzen Abstecher ins Reich der Poesie zurück in die heutigen Gärten.  

Auch die Gärten des Schlosses Oranienbaum hatten es in sich und boten mir als Besucher mehr, als ich eigentlich "erlaufen" konnte, brannte doch die Nachmittgssonne erbarmungslos auf die weißen Kieswege, wurde dort reflektiert und verkohlte meine nicht geschützten Körperteile.

Das sichtbare Schloss - besser Schlösschen - steht auf einer Insel im Park von Wörlitz. Es verkehrt eine Fähre oder auch Gondeln auf die Insel.

Ich schütze nie und deshalb musste ich das ertragen, was zu vermeiden gewesen wäre. Doch der hohe Baumbestand am "chinesischen Haus" spendete so ausreichend Schatten, dass mir bald zu kühl wurde - vielleicht war es auch Sonnenbrand. So ist der Mensch - selten zufrieden. Aber beim Gedanken an einen grauen, wolkenverhangenen Himmel, der auch hätte sein können und anständige Fotos wirkungsvoll zu verhindern in der Lage ist, verbat ich mir meine Nörgelei über das Wetter - und es half! Vielleicht auch nur, weil die Sonne sich ohnehin schon neigte und nach diesem überreichlich mit Eindrücken gefüllten Tag machten wir uns auf den Rückweg ins Hotel - und blieben im Stau stecken.

Das Bild spricht eigentlich für sich - nur schön im Park von Wörlitz.Ich war so begeistert, das ich mir gleich ein Buch zugelegt hatte mit Gartengeschichten über englische Gärten.

 

Jeder Stau hat mal ein Ende, und als die kollidierten Fahrzeuge beiseite geräumt waren ging es zügig zurück. Ins Hotel, zu Fuß dann aber in Dessaus Ratskeller, in dem es einen hervorragenden "Strammen Max" zu essen gibt und draußen bei immer noch 26 Grad neben der vielleicht 12 m hohen, an einem Stahlgerüst hängenden Freiheitsglocke, nahm ich mir die abendliche Freiheit, zuerst ein Bier - groß - dann noch eines - auch groß - und noch später einen - oder, ich weiß nicht mehr genau - auch zwei Schoppen Wein als Draufgabe zur Abkühlung zu genießen, von dem mir aber eher noch heißer wurde.

Der Wörlitzer Park regte zum Kauf dieses Buches über die englischen Gärten an. Ein Buch, um im Garten sitzend, etwas über Gärten zu lesen, die sich lohnen, sie auch mal zu besuchen.

 

Gut, dass ich das Auto zuvor in der Hoteltiefgarage abgestellt hatte. Vieles konnte aus Platz und Zeitgründen nicht erwähnt werden. So müssen die Fotos für sich sprechen und nach und nach werde ich sie ohnehin alle beschriften, um ihre Aussagekraft zu erhöhen. Falls noch nicht geschehen, erfreuen Sie sich trotzdem an ihnen und vielleicht planen Sie ja selbst mal eine Reise in die Gegend, die praktisch vor unserer Haustür liegt: 

Die im Text erwähnte Freiheitsglocke im oberen Teil.

 

 

 

 

...Mosigkau, Dessau-Rosslau, Wörlitzer Anlagen und Oranienbaumer Parksommer...

Man muss dort gewesen sein!

Der Beginn des Wörlitzer Parks lässt die Schönheit erahnen, die diese Kulturlandschaft zu bieten hat.

Schloss Oranienbaum, Rückseite

 

Schloss Oranienbaum, Nebengebäude auf einer Seite, Vorderseite

Der 2Chiunesische Turm" in der Nähe des Chinesischen Hauses im Park von Schloss Oranienbaum.