Jörg Hartung wohnt in Gehrden-Leveste

 

und ist von Beruf Professor für Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Mehr erfahren Sie über folgenden Link: 

 https://bib.vetmed.fu-berlin.de/vetbiogramm/653.html

 

Das Interesse von Jörg Hartung gilt seit jeher deutscher und internationaler Literatur, soweit es seine Zeit erlaubt. Besonders Lyrik hat es ihm angetan, aber auch Erzählungen  und Kurzgeschichten schätzt er sehr.

Zum festen Repertoire seiner Vorträge gehören zum Beispiel "Antikriegsgedichte" von Gryphius bis Nazim Hikmet, das Leben und lyrische Werk von Friedrich Nietzsche, oder er behandelt in einem seiner Vorträge die Frage, ob Schiller ein Lyriker ist. 

Darüber hinaus berichtet er in Vorträgen über seine ausgedehnten Brasilienreisen und Cuba Reisen. Besonders erwähnt werden muss sein starkes Engagement im Bereich "szenische Lesungen", die immer sehr viel Ausarbeitungs- und Vorbereitungszeit mit den jeweiligen Teilnehmern erforderlich machen. Erwähnt sei stellvertretend für andere nur Fontane, Dürrenmatt und Camus. 

 

 

Prof. Dr. Jörg Hartung

 

 

Seit etwa 2005 ist Jörg Hartung Mitglied und Sprecher des Calenberger Autorenkreises. Bei seinen häufigen Auslandsreisen zwischen den Kontinenten im Flugzeug oder während längerer Wartezeiten auf den Flughäfen nutzt Jörg Hartung nach eigenen Angaben die Zeit oft dazu, Gedichte und kurze Prosa zu verfassen.

 

 

 

Die beiden folgenden Gedichte entstanden kurz vor dem Jahreswechsel und sie sind geprägt von Ereignissen aus seinem Umfeld.

 

 

 

 

 

 Siehe auch unter Veranstaltungen:  Veranstaltungen befreundeter Autoren 

 

Des Fährmanns Münze

 

 

Ward Dir die Münze schon gewogen?

damit der Fährmann sanft Dich trägt?

hat Dich Dein Werk auch nicht getrogen,

dass alles sich zum Ganzen fügt?

Warst Du zugegen als es Helfen galt?

Die Menschlichkeit versank im Blut.

Es war der Preis, den andre zahlten.

Wie kannst Du sagen, es war gut?

Du hast die Rufe wohl vernommen.

Doch waren Herz und Hand zu schwer.

Sie sollten Dich erst fragen kommen.

Bald gab zu helfen es nichts mehr.

Hast Du gesehen wie die fröhlich lachten

Und rissen Stein für Stein Gewissen nieder

War es Dir klar, was sie da machten?

Und sangen in den Straßen ihre Lieder.

Wie oft hast Du Betrug gewählt?

Bist Deine Straße leicht gezogen.

Es galt Erfolg und nicht gerecht zu sein.

Wie oft hast Du am Ende Dich belogen?

Hat Dir die Liebe andrer nichts gegeben?

Sie standen Alle stets für Dich bereit.

Du hast genommen ohne viel Bedenken.

Und jeder half und gab zu seiner Zeit.

Nun ist das Licht gelöscht, Du bist nicht mehr.

Sie schauen in Dein Grab, die Träne rollt.

Du bist verloren, ohne Wiederkehr.

Sie hoffen, dass kein Gott Dir grollt.

Wo liegt die Rettung? In der Liebe?

Bleibt sie, wenn auch die Zeit vergeht?

Wer bringt für wen das größte Opfer?

Wenn die Erinnerung längst verweht.

Der Fährmann schaut bedächtig auf die Münze.

Er wiegt sie in der Hand und schweigt.

Er holt den Sack, verdeckt Dein Haupt zur Gänze.

Und klanglos gibt er Deinem Boot Geleit.

 

Jörg Hartung, Dez. 2016

Tod einer Mutter

 

Kalt und naß,

ein wenig Holz und Tuch,

noch unversehrte Asch',

ein abgegriff‘nes Buch...

Dumpf poltert Sand

und an des Grabes Rand

ein Bäumchen neigt sich leis

zum End' des Lebens rüber.

Es fallen Tropfen sacht

vom allerhöchsten Ast

behutsam in die Gruft;

und jede Perle schluchzt,

als sei sie eine Träne

beim Aufprall still und ruft

nach eines Menschen Seele.

Und in die Leere

senkt man Holz und Tuch,

ein wenig Sand,

vielleicht ein Buch

und etwas,

das zur Erde

- werde.

 

Jörg Hartung, Dez. 2016

 


Abschied und Sehnsucht

 

Der Abschied naht, Unruhe steigt,

viel bleibt hier noch zu sagen.

Wie immer ist die Zeit  zu kurz,

Du kannst die Weisen fragen.

 

Die letzte Nacht so schwarz und tief,

scheint endlos sich zu dehnen.

Der flache Schlaf, die Lieder müd,  

Den Traum durchzieht ein Sehnen.

 

Und in des Zwielicht‘s Morgengrau‘n

zwei Träume sich verbinden.

Sie trotzen beiden, Zeit und Raum,

gewillt sich eng zu finden.

 

So trifft nach einer langen Reis‘

der eine auf den andern.

Der Morgen kommt und Raum und Zeit

verschmelzen in einander. 

 

Der Augenblick, er macht die Zeit,

er lässt auf Zukunft hoffen.

Der Morgen kommt, das Zwielicht steigt

von Sehnsucht tief durchdrungen.

Und mag die Zeit auch flüchtig sein,

die Orte unter uns verfliegen.

Es schmelzen Raum und Zeit zu eins

im endlos seligen Wiegen. 

 

Jörg Hartung, 11. März 2017