Reiseerzählungen des Jahres 2010





Eine Bikerschmiede, die man gesehen haben muss.

Wenn man etwas finden will - hier wird man pfündig.

Der Ort Zilly in Sachsen Anhalt liegt abseits jeder Durchgangsroute. Niemand hätte mich überreden können, ausgerechnet Zilly zu besuchen. Ich hätte dort nichts anderes erwartet als bestenfalls einen kleinen, verschlafenen Ort unter vielen anderen in Sachsen Anhalt.

Das Puppenstubenstädchen Osterwieck, welches ich gerade auf der vergeblichen Suche nach einem Kaffee durchwandert hatte, verstärkte meine Befürchtung noch und letztlich war es nur ein kleines Burgsymbol auf meiner Autokarte, welches mich dann doch noch nach Zilly lockte, weil ich "gerade in der Gegend" war.

...und auf dieser Seite auch.

Ich lenkte also mein kleines Motorrad weiter nach Osten, nicht ohne mir fest vorzunehmen, das dieser Ort mein Umkehrort sein müsse, um rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit wieder Zuhause zu sein. Ein 125 er Motorrad mit seinen 12 PS ist keine Rennmaschine, und so wird der Leser sicher verstehen, was mich zu meiner Eile trieb.

Deren Licht ist schon lange erloschen.

Dann kam alles anders. Das Schloss und die Gartenanlage des Schlosses - hier nicht abgebildet - durchstreifte ich bei untergehender Sonne und mancher "schiefe Blick" der auf Fremde nicht eingestellten Ortsbürger traf mich und ich konnte spüren, wie sie versuchten, mich in irgendeine unbestimmte Kategorie einzuordnen. Ich erlöste sie davon, mich gedanklich in eine "falsche Kiste" zu stecken, indem ich begann, mich für Dorf zu interessieren das geschieht am besten, indem man sich mit den Leuten unterhält.

Überraschend schnell tauten die Menschen auf. So erfuhr ich - wie so oft bei solchen Gelegenheiten - vieles über das Dorf selbst, die Vergangenheit des Dorfes zu DDR Zeiten und die gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in dieser abgelegenen Gegend, die Umgebung um Zilly und das beeindruckende Schloss. Und ich erfuhr auch etwas über das private "Museum", vor dem ich mich besonders ausgiebig mit einigen Leuten unterhielt und mir einiges erklären ließ.

Ein schöner Kontrast - der an den Balken reifende Weintrauben und darunter und dahinter die vor sich hinrostenden Werzeuge.

Die Sonne warf bereits lange Schatten und vor diesem dunkler werdenden Hintergrund beeilte ich mich, noch einige Fotos zu machen. Das "Museum" mag man als solches bezeichnen. Oder als Schrottplatz. Oder als Müll gewordene Kunst. Irgendwie hat es etwas in jede dieser Richtungen. Würde jemand die Bezeichnung "Schrottplatz" gebrauchen, könnte ich das auch verstehen aber letztlich sind die meisten Museen in irgendeiner Weise "Schrottplätze" - die Betreiber der Museen ohne Rost bitte ich für diese Bezeichnung um Entschuldigung!  Man könnte aber auch vornehm sagen: Lagerplatz für alte, erhaltenswerte Gegenstände, die im Moment auf Restaurierung warten.

Die alte Dapfmaschine, ich war sprachlos.

Also, Pferde wurden hier auch beschlagen

Egal wie man es bezeichnen will, dieses sogenannte "Bikermuseum" scheint nach Auskunft der Anwohner international in "Fachkreisen" sehr bekannt und beliebt zu sein. So gesehen, trägt es immerhin dazu bei, den Ort Zilly eben nicht nur als einen unter vielen von verschlafenen Orten in Sachsen Anhalt zu sehen, sondern in seiner überwiegend rostigen Vielfalt an alten Maschinen bis hin zu Dampfmaschinen, Werkzeugen und Munitionskisten einen nicht alltäglichen Kulturtreffpunkt zu bilden.

Die Hufnagelkiste war leer, wie ich feststellt.

Irgendwie war ich vom Sammeleifer des Eigentümers beeindruckt, obwohl ich selbst eher ein Mensch "des Wegwerfens" bin.



Doch, bei allem "Rost": 4 Sterne für Zilly - trotz oder wegen seines einzigartigem Rostmuseums!





...und die Patronen schon längst verrottet und unbrauchbar.














Ägypten


Vom Roten Meer in die Wüste Ägyptens - Wanderung mit Hindernissen.

Die Berge erschienen mit zunehmender Dunkelheit immer intfernter, aber die Dramatik am Himmel nahm atemberaubend zu, als die Sonne hinter den Wüstenbergen verschwand. Die Berge selbst haben eine Höhe von bis zu 2600 m. Das ist ihnen nicht anzusehen.

 

 


Die Reaktionen eines Urlaubers lassen mit zunehmender Dauer der Untätigkeit des Geistes und des Körpers nach. Das dieser Prozess aber so schnell verläuft, gab mit während einer Ägyptenreise zu denken. Sowas kommt schleichend und man merkt es nicht, weil alle anderen Urlauber das gleiche Leiden befallen hat und somit als „Kontrollorgan“ ausfallen. Dabei wollte ich von meinem Urlaubsort am Roten Meer nur ein wenig über den Tellerrand hinaussehen und merkte: Das ist eine gewaltige logistische Aufgabe, die nicht so nebenbei erledigt werden kann! Ich plante eine Wanderung in die angrenzende Wüste. Vor allem die in der Nähe sich kristallklar abzeichnenden, zackig und schartig in den Himmel ragenden Gebirge ,die bis in Höhen um 2000 m ansteigen hatten es mir angetan.
Aus dem Flugzeug boten sie mit den darin deutlich sichtbaren, trocken gefallenen Wadis, einen imposanten Eindruck.

„Da muss ich hin“ und Fotos schießen, nahm ich mir vor. Später, nach der Eingewöhnung im fremden Land, wollte ich „dahin.“ Ich kam nicht „dahin“, ich kam nicht einmal in die Nähe der Berge. Das hatte mehrere Gründe. Der Fotoapparat streikte. Das musste er zwangsläufig, denn der Akku steckte noch im Ladegerät. Und er steckte nur deshalb noch darin, weil mich die oben erwähnte Urlauberkrankheit - "Trägheit" – infiziert hatte. Dann entdeckte ich, dass auch meine Brille noch im Hotel lag und ging den langen Weg zurück. Das hatte Vorteile, denn mein überschießender Elan war nach anderthalb Stunden unnötigem bergan laufen verraucht und ging ich den zweiten Teil der gleichen Wanderung überlegter an.

Vor allem setzte ich mir realistische Ziele. Die Berge, die ich zu erreichen hoffte, wichen während meiner erneuten Wanderung immer weiter zurück, je näher ich ihnen kam. Doch auch auf dem fand ich auf dem Weg zu diesem fernen Ziel fand ich viele lohnenswerte Fotomotive. Das entschädigte mich teilweise und bald senkte sich sacht die Sonne auf die Berge nieder und verschwand schließlich – ein Feuerwerk am Himmel hinterlassend - hinter den Bergspitzen, die mir unter den sich verändernden Lichtverhältnissen immer niedriger und ferner schienen. Dafür gaben sie eine wunderschöne Kulisse für die untergehende Sonne ab. Ein „Wüstensonnenuntergang“ war eines meiner Ziele gewesen und dieses Ziel hatte ich erreicht, wenn auch die anvisierten Berge bald unerreichbar in der Dunkelheit verschwanden. Dann musste ich zurück und ein Marsch von mindestens drei  Stunden Sandwüste lagen vor mir. Doch ich hatte Glück. Ein offener Lastwagen - offenbar vom Himmel geschickt - hielt an, nahm mich mit und setzte mich vor dem Hotel ab. Von Bezahlung wollte der Fahrer nichts wissen und wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen. Und so vergaß ich das „Fahrgeld“ und ließ einen Schein auf dem Sitz zurück. „Gutgelaufen und Gutgefahren“, meine Wanderung – wenn auch „Doppeltgelaufen.“ Doch die „unerreichten verlorenen Berge“ nagen noch immer an mir und ich weiß schon, was ich beim nächsten Ägyptenbesuch unternehmen werde.

Dorthin, fürchte und hoffe ich gleichzeitig, führt nicht einmal eine Straße!


Dieses und die die beiden anderen Fotos entstanden auf dem Weg zu den "nicht erreichten " Bergen.