Reiseerzählungen

Vorträge und Reisberichte. 

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin dabei, diese Seite zu erweitern und umzugestalten. Falls etwas "fehlerhaft" sein sollte, ist dies ein Zeichen für mein momentanes "daran arbeiten." 

Vortrag "Reisesplitter" - von der Ostsee ins Mittelmeer

Auf einem Segelboot am 22. November 2015 um 11.00 Uhr im Hotel Steinkrug in Wennigsen, Ortsteil Steinkrug (bei Bennigsen).

Auf einem Segelboot am 22. November 2015 um 11.00 Uhr im Hotel Steinkrug in Wennigsen, Ortsteil Steinkrug (bei Bennigsen).

Abendstimmung auf dem Boot erlebt vor Anker



Die Bezeichnung "Reisesplitter" steht für mehrere außergewöhnliche Reisen auf seinem Segelboot von der Ostsee ans Mittelmeer


und verrät, dass es herausgegriffene, einzelne Begebenheiten sind, die zu einem spannenden Vortrag zusammengefügt wurden.

Die Einleitung bildet eine kurze Schilderung Nieschalk's über den Bau seines 12 Tonnen schweren Stahlbootes, dessen Bau nach knapp fünfjähriger Bauzeit Nieschalk vor 35 Jahren erfolgreich beendet hatte. Er segelt das Boot noch heute und es ist in fast jeder Hinsicht heute besser ausgerüstet, wie zu Zeiten des Stapellaufes. Und - es sieht trotz der Strapazen, die es durchgemacht hat, eigentlich immer noch wie neu aus...

Es geht um einen nächtlichen Zwischenfall in den Gewässern um Rügen und auch ein Gewitter auf dem Boot mit ungeahnten Turbulenzen wird so lebhaft geschildert, dass der Zuhörer glaubt, dabei gewesen zu sein. Über die Einsamkeit, die Hitze, die Übermüdung, die Nacht und die Erlebnisse während der Nacht auf einem langen, viele Tage währenden Einhand- Segeltörn berichtet Nieschalk einfühlsam und lässt die Stimmung, die ihn in tiefer Müdigkeit die Zeit vergessen lässt, wieder lebendig werden.

Das Boot in einem Binnenhafen auf einem Törn zu seinem Liegeplatz an der Ostsee. Der Mast wurde per LKW transportiert. Beim Schleusen ist die 13 m lange "Stange" äußerst hinderlich.

Das Boot in einem Binnenhafen auf einem Törn zu seinem Liegeplatz an der Ostsee. Der Mast wurde per LKW transportiert. Beim Schleusen ist die 13 m lange "Stange" äußerst hinderlich.

Und spannend erzählt Nieschalk über seine Erlebnisse während einer Sturmfahrt im Mistral und zum Schluss über einen Törn auf der Saone, der für ihn und die Besatzung in ihrer Dramatik unvergesslich bleiben wird. Auf einem Törn an die See. Der Mast wurde per LKW dorthin transportiert. Er ist beim Schleusen äußerst hinderlich.

       

Nieschalk hat im Vortrag ganz bewusst auf seemännische Begriffe verzichtet und "normale" Worte gewählt. Segler und Seeleute mögen das verzeihen, doch es macht keinen Sinn mit Worten zu sprechen, die "Landratten" in ihrer Bedeutung nicht verstehen. Auch technische Details sind, wenn überhaupt, allgemeinverständlich geschildert. Daher eignet sich der Vortrag vor allen auch für die Frauen und seglerische Laien.


Es ist ein spannungsgeladener Vortrag.


Schriftsteller Hermann Löns und  die Lüneburger Heide - KEIN alter Hut!

 

Ein idyllisches Gartenhaus inmitten einer Ziegenherde

Ein idyllisches Gartenhaus inmitten einer Ziegenherde

Kaum zu glauben, das dieses Stück Heide noch vor wenigen Jahren Truppenübungsplatz war und von Panzern durchpflügt wurde.

Kaum zu glauben, das dieses Stück Heide noch vor wenigen Jahren Truppenübungsplatz war und von Panzern durchpflügt wurde.

Um einen Vortrag des großen Dichters Hermann Löns vorzubereiten, begab ich mich - um Tuchfühlung zu seinem Umfeld zu bekommen - in die  Heidelandschaft etwas abseits der eigentlichen Heide, nach Bad Bevensen.  Von dort aus machte ich mehrere Tagesausflüge ins Gebiet dieses großen deutschen Dichters. Das Kerngebiet der Lüneburger Heide gerhört auch dazu, aber mehr noch das Gebiet um Walsrode. Diesen Tag verbrachte ich im Naturschutzgebiet der Nordheide rund um Niederhaverbeck. Ich war zwei Wochen zu früh am Ort um die "Heide in Flammen" erleben zu können, denn die rosaroten Erikabüsche begannen gerade erst, ganz zaghaft ihre ersten Blüten zu öffnen. Von wirklichem Heideblühen konnte nicht die Rede sein. Doch auch ohne die gedämpfte Pracht rosarot bedeckter Hügel lohnte es sich, diese auf wenige Quadratkilometer zusammengeschmolzene Kunstlandschaft zu besuchen - die noch vor kurzem Truppenübungsplatz war.

Ich erlebte die Landschaft auf einer rüttelnden Kutsche, die von zwei Pferden gezogen wurde. Auf der in jedes Schlagloch fallenden und beim Fahren über die vielen Hügel des Sandweges springenden  Kutsche ging es so unruhig zu, als versuchte ich segelnd bei stürmischer See, gestochen scharfe Porträtaufnahmen der auf den hinteren Bänken sitzenden, hübschen Frauen zu machen. Von diesem bockenden, schlingenden, aber idyllisch aussehende Gefährt  sprang ich bald ab, um die Kamera ruhig auf die in Hülle und Fülle auftauchenden Fotomotive richten zu können.

Idyllisches Wohnen, doch die Brandgefahr bei solchen Reetdachhäusern würde mich davon abhalten, jemals in ein derartiges Gebäude zu ziehen.

Idyllisches Wohnen, doch die Brandgefahr bei solchen Reetdachhäusern würde mich davon abhalten, jemals in ein derartiges Gebäude zu ziehen.

Ich lief den größten Teil des Weges zu Fuß hinter, manchmal neben dem Wagen aber nie vor dem Wagen her. Das, was so gemächlich aussieht - ein durch die Lande zockelndes Pferdefuhrwerk - erwies sich für mich als erstaunlich schnell. Mehr als einmal musste ich im Dauerlauf und mit pochendem, ungeübtem Herzen die Beine in die Hand nehmen, um den Wagen wieder einzuholen. Und dort, wo das aussichtslos geworden war, brach und sprang ich quer durch Wald und Heide, über Erdhügel und quer liegenden Birkenstämme stolpernd -  wie ein fliehendes Reh oder Wildschwein - um den Weg abzukürzen und Anschluss an "die rasenden Pferde" zu gewinnen. Dann passierte es. Wieder war es ein kleinerStamm einer im Heidekraut liegenden Birke, der mich zu Fall brachte. Noch im Fallen riss ich den Fotoapparat hoch und das rettete mich davor, von der eilig davon huschenden Kreuzotter gebissen zu werden. Dann lag ich, knapp hinter dem davongleitendem Reptil mit dem Gesicht im Erikastrauch und als ich mich erhob, sah ich dankbar, dass der Kutscher angehalten hatte. Doch er wartete nicht auf mich. Er wartete darauf, das eine Heidschnuckenherde den Weg kreuzen konnte. Das kommt selten vor, verriet mir der Kutscher, als ich tief atmend den Kutschbock über die beiden Eisensprossen erkletterte. 

Die Lüneburger Heide von Hermann Löns

Die Lüneburger Heide von Hermann Löns

Dort oben auf dem Kutschbock trieb mir der Duft der beiden "Hafermotoren" aus allen ihren Auspufföffnungen in die Nase und sicherlichentließen die beiden Pferde nicht weniger Treibhausgase in die Umwelt, als mein hundert mal stärkeres Auto. Ich bin auf einem Bauerhof großgeworden und bin geruchsgewohnt. Trotzdem bildete ich mir ein, noch zwei Tage später das unvergleichliche Aroma der zwei "müffelnden" Vierbeiner an mir selbst zu schnuppern.

Der Fahrer qittierte mein "Gelaufe" mit witzigen Bemerkungen über meine mangelnde Kondition. Er meinte auch, ich hätte es wegen meiner Extratouren verdient, von einer Kreuzotter gebissen zu werden und ernster werdend machte er Anmerkungen darüber, dass wir einen Festpreis für die Fahrt vereinbart hätten, der trotz meiner Gewaltmärsche noch Gültigkeit hätte. Ich beruhigte ihn - und sprang wieder ab, weil noch einmal - ein letztes Mal an diesem Tag - ein interessantes Motiv über den Pferderücken auftauchte.

Es gibt hunderte Gedenksteine von Herman Löns.

Es gibt hunderte Gedenksteine von Herman Löns.

Die eingestellten Fotos entstanden unter großem sportlichem Einsatz, heftigem Atmen und mit "dem gespaltenem Blick." Ein Auge richtete sich starr auf die "rasenden Pferde", während das zweite Auge im Rundblick die Heide motivsuchend "abscannte." Am Abend führten meine Extratouren zu wohliger Erschöpfung aber am nächsten Tag zu schmerzendem Muskelkater.


Die arabische Wüste - hautnah erwandert.


Eines von Dutzenden Fotos, die mich auch hier am Schreibtisch immer wieder an die Gewaltigkeit dieser Landschaft erinnern.

Eines von Dutzenden Fotos, die mich auch hier am Schreibtisch immer wieder an die Gewaltigkeit dieser Landschaft erinnern.

In jener Nacht, in der ich in einem Linienbus die arabische Wüste durchfuhr, keimte in mir der Wunsch, diese vorbeihuschende, nur vom Vollmond in silbernes Licht getauchte, mystisch und geheimnisvoll sich fast senkrecht in den Himmel aufragende Gebirgswüste irgendwann einmal auf eigene Faust zu durchstreifen und eine Nacht dort zu verbringen.

Zwei Jahre später schüttelte mein ägyptischer Fahrer verständnislos den Kopf, als ich ihm nach 40 Kilometern Fahrt an einer Stelle der Straße, die vom Roten Meer nach Luxor führt, bedeutete anzuhalten und mir beim Transport meiner "Ausrüstung" in eines der ausgetrockneten Wadis hinter einer felsigen Hügelkette behilflich zu sein. Die "Ausrüstung" war bescheiden. Sie bestand aus einem Rucksack, zwölf großen Wasserflaschen, zwei Hoteldecken, einer Winterjacke, einem Handy, Fotoapparat, Sonnenschutz, Verpflegung und einem dicken Knüppel, den ich als Treibholz am Strand gefunden hatte. Eine Sonnenbrille hatte ich vergessen. Das rächte sich später.

Mich faszinierte die Weite dieser Felswüste gewaltig

Mich faszinierte die Weite dieser Felswüste gewaltig

Die Strahlung der Sonne war enorm, als ich aus dem Schatten des Felsens trat, hinter dem ich mein Lager aufgebaut hatte. Dabei war es erst Vormittag und Februar und mir fiel die Vorstellung schwer, wie heiß es hier im Sommer sein würde. Doch ich wollte die Zeit nutzen, und so erkletterte ich - den Rucksack voller Wasserflaschen - von der Sonne aufgeheizte braunschwarze Felshügel und durchwanderte blendend helle Sandflächen zwischen den Bergen, die nach kurzer Zeit meine ungeschützten Augen überforderten. Alles flimmerte und verschwamm, und nur im Schatten einer der aus dem Sand himmelhoch nach oben steigenden Felsen konnte ich wieder genauere Konturen der Landschaft wahrnehmen. Dann trank ich gierig aus den mitgeführten Wasserflaschen und mein mitgeschleppter Wasservorrat schmolz erschreckend schnell zusammen. Ich vergaß die Zeit und den Tag und immer wieder entfernte ich mich bei meinen Exkursionen - überwältigt und abgelenkt durch das Grandiose der Landschaft und hinter jedem Felsen oder Hügel etwas Neues, etwas Spannendes erwartend - viel zu weit von meinem Lagerplatz. Doch der Durst trieb mich rechtzeitig zu meinen Wasservorräten zurück und irgendwann war ich zu ausgepumpt für weitere "Ausflüge" und sehnte mich nach Ruhe und der bevorstehenden Wüstennacht.

"Sieh dich vor den wilden Hunden vor, vor allem aber hüte dich vor den Beduinen, die Touristen entführen," warnte der ägyptische Fahrer", bevor er zurück fuhr, um mich am nächsten Morgen wieder abzuholen. Ernst nahm ich die Warnung nicht, hatte ich doch einen Knüppel im Gepäck...

Noch eines dieser "Tierbilder."

Noch eines dieser "Tierbilder."

Ich wurde nicht entführt und für mich wurde kein Lösegeld fällig. Mein größter Feind war die Sonne, deren Wirkung mir die Tage danach zu schaffen machte. Doch die Freude darüber, diese mir fremde Landschaft für kurze Zeit auf mich einwirken zu lassen, glich alles aus. Es war die Stille der Natur, die mich andächtig machte. Eine Stille, die über der Landschaft zu schweben schien, die nur manchmal durch einen leichten Wind unterbrochen wurde, der den feinen Sand - ein fließendes Wasser vortäuschend - über die hellen Sandflächen trieb und dabei ein sirrendes Geräusch machte. Es waren die in der klaren Luft unwirklich plastisch erscheinenden Berge, die wie gemeißelt  aus den Sandflächen bis in Höhen von über 2000 m herauswuchsen und in deren Spalten und Klüfte man, durch keinen Dunst behindert, zum Greifen nah, wie in einem 3- D Film, ungehindert hineinsehen konnte. Und es war das Licht- und Schattenspiel der hinter den zackigen Berggraten im Westen untergehenden Sonne, die zuerst die sandgefüllten Täler fremd und drohend mit Dunkelheit füllte, die Federwölkchen des Himmels und die Berge aber wie zum Trost erst messinggelb und dann rot färbte, bevor immer länger werdende schwarze Schatten, dunklen, kalten Fingern gleich, auch die Berge bis zu deren Spitzen hinaufkrochen und das Licht der Wüste auslöschten. Es war die plötzliche Kühle der Nacht, die mich in die Winterjacke und unter die mitgebrachten Decken trieb. Dann leuchtete schwach die auf dem Rücken liegende Mondsichel mit einem glänzenden Abendstern darüber, und als auch er hinter den Berggraten  unterging, legte nur noch das kalte Licht der Milchstraße einen blassen Schimmer über den Sand, die schwarzen Berge und meinen "Schlaffelsen", den am Tage ein von der Erosion geformtes Tierbild schmückte.  

Dort, wo sich Wasser bei den seltenen Regenfällen angesammelt hatte, keimen sofort anspruchslose wüstenpflanzen, und hier sieht es so aus, als hätte jemand bewußt die Pföanzen gesetzt...

Dort, wo sich Wasser bei den seltenen Regenfällen angesammelt hatte, keimen sofort anspruchslose wüstenpflanzen, und hier sieht es so aus, als hätte jemand bewußt die Pföanzen gesetzt...


Lange betrachtete ich den Sternenhimmel, weil es im Dunkel nichts anderes zu betrachten gab. Dann meldete sich der Hunger. Ich stand auf, um zu meinen  zwei großen Papiertüten zu gelangen, die mit Obst und einer Menge fertig  belegter Brote gefüllt waren. Sicherheitshalber, weil ein Rest der Unsicherheit geblieben war, welche die Warnung vor den wilden Hunden ausgelöst hatte, deponierte ich die Tüten am Tage eine Strecke weit weg neben einem im Schatten stehenden Felsen. Sollten die Hunde tatsächlich existieren und Appetit bekommen, würden sie erst über das leicht Erreichbare herfallen und sich erst dann an das "wehrhaftere Wild", das ich sein würde, heran wagen.

Merkwürdige "Tierbilder" überall, die die Erosion geschaffen hat

Merkwürdige "Tierbilder" überall, die die Erosion geschaffen hat

Ich brauchte einige Zeit, um die Tüten zu finden und das Licht des Handys, das mir den Weg wies,  blendete mich wie ein Scheinwerfer, als ich schließlich die Tüten und mein Abendendbrot erreichte. Das harte, steife Papier der Tüten krachte so laut beim Durchsuchen nach Essbaren in ihnen, das ich erschrocken innehielt. Gewohnte Geräusche, zuhause kaum wahrgenommen, gewannen hier, in der schweigenden Landschaft, wieder neue Bedeutung und die Tiefe der Stille erschien mir grundlos zu sein.

Und immer mal wieder ein grünender Baum oder Strauch im scheinbar knochentrockenem Wüstenbode

Und immer mal wieder ein grünender Baum oder Strauch im scheinbar knochentrockenem Wüstenbode

Später dann, als mir kalt wurde und ich erkannte, dass nichts mehr zu tun war, weil die Dunkelheit alles einhüllte, tastete ich mich zurück zu meinem "Tierfelsen", betrachtete erneut das sich über mir erstreckende Universum und beim Schauen und Nachdenken über unsere menschliche Rolle darin, muss ich eingeschlafen sein.

Spät in der Nacht erwachte ich. Ich erschrak. Irgendetwas stimmte nicht. Dann erstarrte ich. Irgendetwas lag schwer auf meinen Füßen, als ich mich aufrichten wollte. Ich zog die Knie vorsichtig nach oben, doch das Gewicht bewegte sich nicht, wurde aber leichter. Dann lachte ich laut in die schweigende Wüstennacht hinein, als ich das Licht meines Handy einschaltete.

Wind war in der Nacht Wind aufgekommen sein, der feinen Sand über den Felsen geweht und auf meinen Füßen abgelagert hatte. An Schlaf war nicht mehr zu denken und ich tastete mich zurück zu meinen Verpflegungstüten, die unberührt von wilden Hunden mein frühes, erstes Frühstück bereit hielten.

Mittags, nachdem mich der der Fahrer am nächsten Morgen abgeholt und im Hotel abgesetzt hatte, starrte mich aus dem Spiegel ein "verkohltes Gesicht" an und ich wusste, unterwegs war ich - wie so oft - zu sparsam mit Sonnenmilch und ähnlich ekligen "Einschmiersachen" gewesen. Und trotzdem: Nach dem Sonnenbrand, den Strapazen, der Hitze, den Schatten und den "Felstierbildern", bin ich "so richtig heiß geworden" auf noch mehr Wüste und noch mehr Erleben und vielleicht auch auf mehr, als nur vierundzwanzig Stunden Wüste.