Briefe


Auf dieser Webseite finden Sie Texte, die ich mit mir befreundeten Literaturliebhabern und deren Zustimmung austausche, wenn sie vom Charakter her auch als eigenständiger Text zu sehen sind oder als ein in sich geschlossener Artikel gesehen werden können. Persönliche Textstellen werden entfernt.

Die Texte beabsichtigen , Literaturinteressierte dazu anzuregen, selbst zum Bleistift zu fassen oder in die PC Tastatur zu tippen und so eigene Texte - vielleicht auch Reiseerzählungen mit oder ohne Fotos -  zu verfassen. Auch Briefe sind Literatur und können sehr reizvoll sein, wenn eine gegenseitige Kommunikation in Gang kommt.

Der Fantasie sind bei allen Literatur Genres keine Grenzen gesetzt. In dieser Grenzenlosigkeit der Themen kann jeder seine Nische entdecken, etwas aufzuschreiben. Viel Spaß also beim Nachdenken und - beim SCHREIBEN!

 

Ich meine das wörtlich. Schreiben Sie mir, wirklich, oder rufen Sie mich an, wenn Sie mögen. Das passiert oft und ich unterhalte mich gern mit Ihnen. 


 

"Viele Köche verderben den Brei."

Anlässlich eines Autorentreffens in Rodenberg Deister spielte sich bzgl. der Mitnahme eines älteren Mitautors in einem Fahrzeug der in seiner Nähe wohnenden Kollegen folgender Schriftwechsel ab, der der eine gewisse Komik beinhaltete: 

8. März 2017 21.07 Uhr

Uwe Märtens fragt per Rundschreiben: "Irgendjemand muss auch Wilhelm mit nehmen. Wäre schön, wenn Ihr das koordinieren könntet."

Na, dann bis Samstag, 9.30!

 

8. März 2017 21.30 Uhr

Cornelia Poser schreibt: "Ich rufe Wilhelm heute an und hole ihn am Samstag vorher ab. Ich kann ihn auch hinterher wieder nach Hause fahren. Komm ja quasi bei ihm vorbei.

 

8. März 2017 21.30 Uhr

Jörg Hartung schreibt: "Plane Wilhelm mitzubringen. Muss vermutlich eher gehen. Fritz oder Karla können ihn mit zurück nehmen.

 

8. März 2017 21.44 Uhr

"Einverstanden", Jörg

 

8. März 2017 21.55 Uhr

Cornelia Poser schreibt: "Dann ist ja alles eingetütet. Jörg nimmt Wilhelm mit hin zum Treffen.

 

8. März 2017 21.57 Uhr

Jörg schreibt: "OK."

 

8. März 2017 21.58 Uhr

Cornelia Poser schreibt: "Äh...womit ist Jörg einverstanden???? das ich Wilhelm mitnehme? Dann war meine Antwort ja eben blöd."

Also nochmal: "Ich hole Wilhelm ab und bringe ihn mit.

Mach ich"

 

8. März 2017 22.01 Uhr

Cornelia vergrößert das Durcheinander: "Kriegen wir's hin? Ich lach mich tot. Ich hole Wilhelm ab."

 

8. März 2017 22.56 Uhr

Wolfgang schreibt: "Ich lach mich tot - über Euch."

 

9. März 2017 08.29 Uhr

Jörg schreibt: "Guten Morgen Cornelia. Meine letzte Antwort auf Deine Nachricht: Dann ist ja alles eingetütet. Jörg nimmt Wilhelm mit hin zum Treffen.

war einfach OK das heißt, ist in Ordnung. Jörg Hartung bringt Wilhelm hin - Cornelia Poser oder wer auch immer und bringt ihn in sein heimeliges Barsinghausen zurück.

Soll's so sein - Ja oder Nein?

 

9. März 2017 15.59 Uhr

Karla schreibt: "Nun letztendlich noch eine Donnerstagnachmittagmeldung von meiner Wenigkeit. Eines habe ich nach dem hin und her kapiert, Fritz oder ich holen Wilhelm NICHT ab, wir können ihn mit zurücknehmen, das alles wäre möglich und vor Ort zu klären. Liebe Cornelia, das würde eintreffen wenn Du u.s.w.

 

9. März 2017 16.27 Uhr

Jörg schreibt: "Liebe Karla, Deine Beobachtungen vom Eilenriedestift belegen, Frauen werden älter als Männer. Daher müssten sie eigentlich mehr Zeit haben - um z.B. Wilhelm abzuholen. Ich will aber mich und meine knapp bemessene Lebenszeit opfern und hole Wilhelm ab. Sorgt aber bitte dafür, dass am Ende nicht drei Taxen vor Wilhelms Tür stehen. Verdient hätte er die Fürsorge ja!"

 

10. März 2017 00.11 Uhr

Cornelia macht ein Gedicht, Gute Planung - oder?

 

Gute Planung  - oder:

Wer holt am Samstag Wilhelm ab?

(Cornelias erstes Gelegenheitsgedicht!)

  

Uns Uwe schreibt 'ne Mail ganz knapp:

„Wer holt am Samstag Wilhelm ab?“

Ich schreibe ihm sofort zurück:

„Ich mach das, ist ein kleines Stück!“

 

Zeitgleich schreibt Jörg: „Ich hab’s im Plan

Ich schleppe euch den Wilhelm an.“

Aha, nun sind wir schon zu zweit,

die Fahrt ist lang, der Weg ist weit.

 

Doch ist‘s zu spät, man muss ins Bett

und schaltet ab das Internet.

Die Frage, wird nachts nicht geklärt,

wer nun am Samstag Wilhelm fährt.

 

Am nächsten Morgen denk ich froh:

Ist alles klar, ich mach’s … und so…

Jörg aber schreibt an alle knapp:

„OK, ich hol den Wilhelm ab!“

 

Ja, wie? Ich sehe langsam rot

und Wolfgang schreibt: „Ich lach mich tot!

Habt ihr denn alle einen Knall?“

Er hält sich raus – auf jeden Fall.

 

Derweil ruft Fritze bei mir an

und sagt: „Ist doch ganz einfach dann,

ich hol den Wilhelm Samstag ab.

Ich ruf ihn an und sag‘s ihm knapp!“

 

Ich denke noch: Nun ist es klar…

die machen das, wie wunderbar.

Ab jetzt, da halte ich mich raus

und den PC, den mach ich aus.

 

Jörg schreibt: „Auf Fritze hoff ich jetzt!“

Doch Karla sich an’n Laptop setzt.

Sie schreibt: „Verstehe, nun ist klar,

Fritz fährt ihn nicht, na wunderbar!“

 

Darauf bekomm ich fast ne Krise

und schick an alle liebe Grüße

und lach sich tot und lach mich schlapp…

Wer holt denn nun den Wilhelm ab?

 

Zuletzt greif ich zum Telefon

So machte man das früher schon!

Und schwupps, schon haben wir geklärt

Wer nun am Samstag Wilhelm fährt.

 

Wie wär’s mit mir und Jörg und Fritze,

wir tun‘s zu dritt, das wäre doch Spitze!

Und Wilhelm fragt sich ahnungslos:

„Wer holt mich ab? Und wann geht’s los?“

Mein lieber Wilhelm, keine Ahnung,

so ist das manchmal mit der Planung.

Doch etwas sag ich Dir jetzt knapp:

Der Fritze holt Dich Samstag ab!

 

 

10. März 2017 8.15 Uhr

Wolfgang meldet sich mit folgenden Sätzen zu Wort:

 

Ich transportiere Wilhelm. Es liegt auf der Strecke. 

Schlage vor, Jörg holt Wilhelm zuhause ab, weil er die Parkplatzsituation bei ihm am besten kennt und die Bordsteine, die dort so unverschämt hoch sind und bringt ihn bis nach Barntorf, Wegepunkt 55.07.06 West und 56,01.05 Nord. Dort steigt Wilhelm in mein Auto um. Ich bringe ihn zur Bäckerei in Rodenberg an der B 65.

Dort trinke ich mit ihm Kaffee - das wird mich bei ihm beliebt machen! - während Jörg schon zu Uwe fährt, um ihm mitzuteilen, das Wilhelm gerade Kaffee trinkt und nur auf Karla wartet. Karla, die sich vor den Transporten zuerst drücken wollte, transportiert ihn dann weiter bis zum Zielpunkt = Uwe. Vorgesehene Ankunft 9.30 Uhr.

Zeitlich bleibt alles noch abzustimmen.

Bleibt der Rücktransport. Ich nehme Wilhelm bis Springe mit, Jörg holt ihn dort ab und er kann sich unterwegs mit Karla und Cornelia absprechen - per Telefon -  von wem und zu welchem Punkt Wilhelm gebracht werden soll - vielleicht erst mal nach Bad Nenndorf Autobahnabfahrt Hannover.

Gebt mir bitte Bescheid, wie wir verfahren, ohne uns beim Fahren zu verfahren und vor allem, ob wir überhaupt fahren. Ich meine, mit oder ohne Wilhelm nach Rodenberg fahren.

 

10. März 2017 8.32 Uhr

Cornelia Poser jubelt: "Juhuuu fein, so könnt's klappen

 

Heute morgen, 11. März 2017, 2017 8.00  Uhr

2 mal Anrufbeantworter, Fritz: "Ich nehme Wilhelm endgültig mit!"

 

Heute morgen, 11. März 2017,  9.00 Uhr

                                                                                                                               

Wilhelm: "Ich will nicht mitgenommen werden! Ich fahre mit der Bahn!" 


                                                                                 


Januar 2017 

Liebe S....

vielen Dank für Deine kleine Gefälligkeit. Und noch mehr Dank für Deine guten Texte für unseren gemeinsamen Auftritt. 

Noch ein paar Worte zu unseren Interessengruppen, die Du in Deinem letzten Brief angesprochen hast.
Bei meiner  heiteren Grundhaltung im Leben lasse ich es mir nicht nehmen, die Zukunft so zu planen, wie es für die, mit denen ich freundschaftlich verbunden bin, gut ist. Ist es für uns alle gut - ist es auch für mich gut und umgekehrt.

Gut kann nur sein, was zusammen harmoniert und es ist normal, dass manchmal diese Harmonie durch nicht beeinflussbare Dinge und viel öfter durch unsere unendlich variierenden Charaktere leidet. Dass muss man möglichst abstellen, um die gute Laune nicht zu verderben. Dann muss man sich entscheiden, wie man das tun kann, und das möglichst geräuschlos. Man kann den eigenen Einsatz für eine gemeinsame Sache reduzieren, ohne das gemeinsame Ziel aus den Augen zu verlieren. Wird allerdings das gemeinsame Ziel unscharf, wird es schwieriger. Dann sollte man versuchen, das Ziel neu zu fokussieren. Scheitert das daran, dass das gemeinsame Interesse an einer Sache sich sehr verändert hat oder Egoismen sich zu sehr in den Vordergrund schieben, orientiert man sich am besten um und stellt so wieder ein ausgewogenes Gleichgewicht her zwischen Interesse und Harmonie.

Ausgewogenheit ganz allgemein ist die Grundlage für meine Lebenseinstellung - wie auch bei den meisten von uns. Diese grundsätzliche, diese angeborene Freude und Heiterkeit, bei dem, was ich anpacke, lasse ich mir nicht nehmen. Sie liefert mir die Energie und setzt sie frei, um mich immer wieder Neuem zuzuwenden und mich so zu motivieren, dies Neue auch mit Leben zu erfüllen - mit einem Leben, das in meinen Texten diese ungebrochene Lebensfreude erkennen lässt. Deshalb steht bei mir über allem was ich mir vornehme, Heiterkeit, und die lasse ich mir durch niemanden "austreiben", egal durch wen oder was.

Im "inneren" Sonnenschein entdeckt es sich einfach besser und es gibt ja auch so vieles auf unserem Globus, was noch entdeckt werden will. Selbst das, was in unmittelbarer Nähe zu finden ist, hält oft Überraschungen bereit, wenn man offen ist, die Dinge so oder mal anders oder sogar noch anders sehen zu WOLLEN. Ein schreibender Mensch hat - vielleicht mehr als andere -  die Gabe, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten und beschreibenzu können - wenn er sich dem nicht verschließt.

Und aus diesen veränderbaren Blickwinkeln lassen sich oft die tollsten Geschichten fabrizieren. Man sieht sozusagen "mehr-kanalig." Bei allem darf man - das ist meine persönliche Meinung - aber nicht in blinden Aktionismus verfallen. Ich frage mich deshalb immer wieder, macht dies oder das oder auch jenes wirklich Sinn, was zuhause oder innerhalb einer Gruppe zu tun wäre oder verlangt wird. Denn das Sinnmachende ist es doch, was eine Arbeit überhaupt zur Erfüllung werden lässt. Und betrachte ich viele der Menschen, die mich umgeben, habe ich den Eindruck, sie haben sich diese Frage noch nie gestellt.

Deren Leben gleicht einem Wettrennen. Wer zu langsam voran kommt oder einen Umweg macht, landet auf der Verliererstrecke. Dieses Wettrennen zieht sich durch alle Lebensbereiche und führt zur Oberflächlichkeit und Halbheit, beobachte ich immer wieder. Partnersuche, Scheidung, Ausbildung, Beruf, gesellschaftliche Anerkennung, wieder Heirat, Karriere machen und sogar der Ruhestand wird vom Wettrennen bestimmt. Alles muss schnell gehen, bloß nichts verpassen, bloß nicht versagen...Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Macht das Sinn??

Und jetzt kommt mein "verstellbarer Blickwinkel" wieder ins Spiel. Könnte es nicht sein, dass in diesem Dauerlauf mit Kaffee und Zigaretten und Überinformation und noch mehr Kaffee und zu viel Alkohol das wirkliche Leben verpasst wird? Vielleicht bleibt bei dieser Treibjagd manches, vielleicht ZU VIELES - auch Menschliches - auf der Strecke, was für ein erfülltes Leben so unendlich wichtig ist...

Es ist schon ein komisches Rennen, zu dem sich viele von uns jeden Tag aufs Neue rüsten. Ein Rennen, das sie nicht gewinnen können und das sie nicht zufrieden machen kann - aber krank.

Einige diese Überlegungen spiegeln  - neben den knallharten irdischen Sachzwängen - auch meine Gründe wieder, warum ich - ausdrücklich - nur die "verwaltungstechnischen" Aufgaben bei meinem sehr geschätzten Calenberger Autorenkreis in deren Hände zurück gegeben habe.  

 

Herzlicher Gruß, Wolfgang 

 

 

                                                                                                              

 

                                                                                                               Linderte, 15. Oktober 2016 

Lieber Wolfgang,

  

obwohl ich geahnt habe, dass Dir der   große Aufwand für die Calenberger auf Dauer zu viel werden könnte, traf mich   Dein Rückzug wie ein Schock. Aber ich kann Dich durchaus verstehen. Es ist   nicht allein Dein Bedürfnis nach Ungebundenheit, was zu diesem Entschluss   geführt hat, son­der vermutlich auch die Verstimmung darüber, dass manches   organisatorisch nicht so gelaufen ist, wie Du es Dir vorstelltest. Ich habe   immer würdigen kön­nen dass Du ein enormes Maß an Arbeit auf Dich genommen   hast, und habe es auch im Kreise der Calenberger stets lobend erwähnt. Mit   Unbehagen habe gesehen, dass die organisatorische Arbeit ungleich verteilt war   und habe Deinen Einsatzwillen bewundert.

  

Dass es gelegentlich zu   Meinungsunterschieden in literarischen Dingen kam, gehört zu unserem   'Handwerk' und sollte ausgehalten werden. Ich denke, dass diese Tatsache bei Deinen Überlegungen keine Rolle gespielt hat. Wir sind uns gewiss darin einig, dass es besser ist, ehrlich zu seiner Meinung zu stehen, als sich der Harmonie willen zu zu verleugnen.

  

Es freut mich sehr, dass Du unserem   Kreise weiterhin angehören wirst. Mögen Dir noch viele gute Ideen kommen und Dei­ne Feder fruchtbar  bleiben.

  

Mit herzlichem Gruß, Fritz

  


  

 

Lieber Wolfgang,

an mich; Ursula; Märtens; Karla; kipp.wolfgang; Cornelia; Uwe


Jörg. Hartung ti ho

Lieber Wolfgang und die Calenberger,

zunächst durchzuckte es mich heiß und kalt. Wolfgang schreibt ein Gedicht. Dann wurde der Schrecken noch größer als ich den Unheil drohenden Zeilen folgte. Auch die Prosa machte es nicht besser, dieses Gefühl, das von Verlusten sprach. Doch dann, wie ein Regenbogen der Versöhnung nach schwerem Gewitter, leuchtete die Hoffnung fern am Horizont und kam näher und näher und heilte meine schon fast wund geschlagene Seele. So schloss sich der Bund wieder zwischen dem, was sein muss und was zusammen gehört.

Ich freue mich sehr, Dich weiter in unserem kleinen Kreise sehen zu dürfen und lesen und denken zu hören. PC und Internet sollen dem Menschen Leben und Arbeit erleichtern und neue viele Möglichkeiten erschließen, wird behauptet. Vergessen wurde, dass die Zeit die gleiche bleibt, die – leider begrenzt - uns zur Verfügung steht.

Bis bald – vermutlich erst im nächsten Jahr.

Alles Gute

Jörg


     

Aufbruch

 

Hab's gern getan, hab gern gedient

euch Calenberger Freunden.

Um stets voranzutreiben das,

was uns zusammenführte.

Hab intensiv versucht, sie zu beleben

und wieder ganz nach vorn zu heben -

die Texte - die wir selbst gemacht.

Und nun, ich habe nachgedacht,

wird's Zeit, das gern Getane abzugeben.

 

 

Nun streif ich ab die Freundespflicht

die nicht ganz leicht auf meinen Schultern lag.

Nicht, weil mich ihr Gewicht erdrückte

auch nicht, weil arbeitsscheu ich bin.

Im Gegenteil - doch mahnte mich die Zeit

um alles das, was ich mir wünsche,

noch tun zu können, aufzubrechen - bevor der große Friede kommt.

Hab's gern gemacht für Euch, verlasst Euch drauf.

Und sage Dank für das Vertrauen.

 

 

 

Liebe Autorenfreundinnen- und Autorenfreunde,

 

nach diesem lyrischen Erklärungsversuch nun die prosaische Erläuterung.

 

Die Zeit, die uns im Leben zur Verfügung steht, ist begrenzt. Das ist eine Binsenweisheit, die mich aber nicht daran hindert, gelegentlich zurück zu blicken und eine Spekulation - mehr kann es nicht sein - in die Zukunft zu wagen.

Für mich gilt: Ich will noch vieles sehen, erleben, ergründen und dabei das Schreiben nicht zurückfahren, sondern intensivieren. Zum Schreiben von Reiseerzählungen – vielleicht auch einer Novelle - braucht man neue Impulse, die nur durch das tatsächliche Erleben gewonnen werden können. In diesem Literatursegment „Reisen, Natur und Kultur“ vereinigen sich meine Interessen - das Schreiben, Reisen und Fotografieren - in idealer Weise. Das Gleiche gilt für das Reisen "auf den Spuren bekannter Dichter, sonstiger Künstler oder Musiker." Nur wirklich Erlebtes ist authentisch und genau so authentisch will ich wahrgenommen werden.

Nun mache ich Zwischenbilanz.

Um meine Wünsche wenigstens zum Teil realisieren zu können, muss ich abspecken. Umso mehr, weil ich dass, was ich mache, auch richtig, vollständig abzuliefern gewohnt bin. Dem Abgelieferten eine positive Handschrift zu verpassen, war mir immer wichtig. So wird es auch bleiben, weil mir das harte Leben als Selbständiger dies als die beste aller Möglichkeiten eingebläut hat. Im Geschäftsleben ist das überlebenswichtig. Und so vom jahrzehntelangen Geschäft geprägt, weiche ich auch privat keinen Millimeter vom Erlernten ab. Das ist keine Altersstarrheit, das ist Erfahrung, die in unserer ständig irrer werdenden Welt ihre positive Wirkung immer zum Wohl des so Handelnden entfaltet.

Doch dieses "so und nicht anders Handeln" hat auch Nachteile. Oberflächliches ist schnell erledigt. Oberflächliches ist Trend. Beispielsweise das "Nichtrichtighinhören", oder das "Schonvergessenhaben", bevor es überhaupt verstanden wurde. Auch das "Fünfdingezugleichmachen" das am Ende zu nichts anderem führt, als zum Nervenbündel und nicht zuletzt das „Nichtrichtiglesen“ von Nachrichten.

Dem Trend verschließe ich mich. Solides benötigt Zeit. Manchmal zu viel Zeit. Dann muss man entscheiden, ob man's sein lässt. Ich habe entschieden, sonst wird's nix mehr mit meinen Wünschen...

Vor diesem Hintergrund bitte ich Euch zu verstehen, wenn ich mich von meinen Aufgaben bei den Calenberger Autoren zuerst von der Moderation der Arbeitstreffen "entflechte." Das sofort, und schon für das Novembertreffen. Jemand anderes wird die Aufgabe gern übernehmen, so meine Überzeugung. Und mit dieser Zuversicht im Rücken bin ich so unbescheiden, auch gleich meine anderen Funktionen bei den Calenbergern zurück zu geben.

 

Das bedeutet aber nicht, dass ich den Calenberger Autorenkreis verlasse. Ich bleibe dabei und werde mich, soweit ich Gelegenheiten sehe, intensiv für die Calenberger einsetzen. Aber genauso will ich die wiedergewonnene Freiheit nun genießen, die mir mein Aufstieg „ins Licht des von Verpflichtungen befreiten Autors“ nach diesem Schritt wieder ermöglicht. Ich danke für Euer Verständnis.

 

Rössing, 30. September 2016

 

 

Herzlicher Gruß

 

Wolfgang


 


Einladung zur Arbeitssitzung im Oktober 2016 

 

Liebe Calenberger Autorinnen- und Autoren,

 

 

 

 

"Erzählt Kinder, erzählt, lasst den Faden nicht abreißen, Kinder!

 

 

Denn solange wir noch Geschichten erzählen, leben wir!"

 

Die Menschen erzählen, seit es sie gibt. Immer und überall. Und deshalb nehme ich diesen leidenschaftlichen Appell von Günter Grass an die jugendlichen Hörer einer seiner Lesungen schon deshalb ernst, weil "Erzähltes" auch für uns Grundlage für das von uns noch nicht Geschriebene sein kann und meist auch ist.

Und wenn das Erzählte aus der Erinnerung heraus tatsächlich "zu Papier gebracht wurde", entsteht ein Produkt, das meist ganz anders, dramatischer und packender wird und im Verlauf der Papierform oft ganz unverhoffte "Wendungen und Wirrungen" annimmt, die das ursprünglich Erzählte regelrecht farblos werden lässt.

Genau das wollen unsere Zuhörer, die vom zuvor Erzählten keine Ahnung haben können. Farbe, Spannung, prickelndes Miterleben - und sie wollen - intelligent natürlich und nicht platt - unterhalten werden. Knochentrockene Infos sind im Internet nämlich massenhaft vorhanden. Dazu brauchen sie nicht uns, uns Calenberger.

Wir als "Schreiberlinge" aber haben den Hörern gegenüber den großen Vorteil, schon beim Fabulieren und bei unserer Suche nach dem richtigen Wort in einem prickelnden Spannungsfeld zu stecken, wenn wir irgendwo im Buchstabenhaufen versteckt nach dem Wort der Worte suchen, das hundertprozentig das ausdrückt, was wir ausdrücken wollen. Das Wort, dass nur darauf wartet, entdeckt oder umgeformt zu werden. Das Wort, dass genau das widerzugeben in der Lage ist, was unseren Kopf beschäftigt und ihn konzentriert und manchmal sogar im Unterbewußten nach der richtigen Lösung sucht lässt.

Klappt das mal nicht, weil kein Kaffee im Haus ist - kein Problem. Wir Calenberger trinken ja nicht nur Kaffee und essen nicht nur belegte Brötchen, unser Hauptzweck ist das "Lückenfüllen" oder "Wortvernichten" in unseren Texten, um auf diese Weise noch etwas mehr aus ihnen herauszuholen oder durch "abspecken" für die nötige Klarheit zu sorgen. Unsere Zuhörer messen uns ausnahmslos daran, ob wir sie langweilen oder animieren, vor Begeisterung auf die Tische zu springen. Das Letztere wird kaum eintreten, das Erstere aber ist mit Leichtigkeit zu erreichen, wenn wir uns nicht anstrengen!.

Damit das Erstere gar nicht erst eintritt, nimmt sich die geballte Intelligenz der Calenberger Autorinnen und Autoren unserer Texte an und schüttelt sie so energisch durch, dass das falsch Verwobene, Ungeschmeidige, die literarischen Laufmaschen, das Unpassende und Überflüssige als Buchstabenmüll im Abfall landet.

Was übrig bleibt - hoffentlich - ist ein Text oder - bei Lyrik bin ich mit Rücksicht auf unsere Lyriker vorsichtig mit meinen Behauptungen!! - ist ein Text, der, so geläutert und in neuem Glanz erstrahlend unsere Zuhörer bei der nächsten Lesung bewegen wird, wenn schon nicht auf den Tisch zu springen, dann aber kräftig zu applaudieren. Das ist schon Lohn genug, oder?

Und so freue ich mich schon auf das, was Ihr am kommenden Samstag Neues an Literatur zum "Durchschütteln" mitbringen werdet um dann gereinigt und von allem Überflüssigem befreit, dem Publikum bei passender Gelegenheit als neu entdeckter Diamant vorgestellt zu werden.


 

Herzlicher Gruß,

 

 

Wolfgang Nieschalk

 

                                                                                                                                             

 


Arbeitssitzung des Calenberger Autorenkreises im Juni 2017 und kleine Reportage über den schicken Ort, nördlich des Deisters in der Nähe von Barsinghausen. 

 

Leveste - ein schöner Ort und und lieblich obendrein!   

Lässt der Reisende - von Osten kommend - den malerischen Ort Gehrden an seiner linken Seite liegen und fährt weiter in westlicher Richtung, dann erwartet er zwischen weiten Feldern, der Bundesstraße im Norden, die nach Hannover oder nach Minden führt und dem dunklen Höhenzug des Deisters im Süden, kaum noch einen Ort, der es mit Gehrden aufnehmen könnte.

 

Doch nach wenigen Kilometern taucht der Ort Leveste auf und der Reisende wird umdenken. Hat er im Zeitalter der Überflutung mit heutigen Sinneseindrücken sich den Sinn für die kleinen Schönheiten bewahrt, wird er in Leveste anhalten und sich zu Fuß aufmachen, um den nicht sehr großen Ort zu ergründen. Er kann mit Gehrden konkurrieren, das wurde mir bei meinem Rundgang schnell klar, wenn auch die Levester Lieblichkeit kleiner, feiner gestrickt, sich nicht aufdrängend und dadurch viel persönlicher erscheint als die Vorzeigeobjekte in Gehrden. Doch eigentlich ist es unzuverlässig, das Eine mit dem Anderen vergleichen zu wollen und ich habe es auch nur getan, weil ich eben öfter nach Gehrden - wegen des netten Marktkaffees - komme, als nach Leveste.

Sucht der Reisende das "Sich nicht Aufdrängende", wird er fündig werden. Neben netten Bewohnern, die ihn gern auf die Sehenswürdigkeiten ihres Ortes hinweisen wird er – ist er Fotograf – einige sehenswerte Fotos in „den Kasten“ bekommen. 



Damit er das auch tut, unterbrechen Levestes Bürger sogar ihre Unkraut Vernichtungsarbeit und erklären dem interessierten Besucher, wo er die Stellen im Ort finden kann, die es lohnt, sie zu besuchen. Es gibt Einige davon.

Ist dieser Besucher Levestes zusätzlich an Poesie interessiert oder am Wohlergehen seiner Nutztiere - hauptsächlich an Huhn und Kuh - wird er sich in die Asternstraße begeben, um dort seinen Neigungen nachzugehen, oder sich Rat zu holen, falls eine seiner Kühe Eisen gefressen hat. Er sollte aber nicht dem Irrtum verfallen, das abgebildete Grundstück mit der schicken Kuh vor der Wäschespinne als das Richtige anzusehen. Das wäre grundfalsch. Die Kuh besteht  aus unbelebtem Material und bewegt sich nicht von der Stelle, aber sie scheint Milch zu geben, dem Euter nach zu urteilen.

Die Symbolik dieser stark verrosteten schmiedeeisernen Verzierung in einem Hoftor konnte ich nicht enträtseln.

Richtig ist der Besucher an dem gepflegten Haus, das von kleinen Vorgarten geschmückt wird. Es vermittelt auf den ersten Blick einen einladenden Eindruck und der Besucher wird von seinen Eigentümern Gabriele und Jörg Hartung freundlich empfangen werden.

Ich als Mitglied des Calenberger Autorenkreises, weiß die Gastfreundlichkeit der Bewohner zu schätzen, die  hinter der das Grundstück umschließenden, übermannshohen, undurchsichtigen Hecke wohnen um bei einem leckeren

Offenbar wohnt auf diesem Grundstück ein Liebhaber der schwarz bunten Rinderrasse.

Frühstück entspannt über Poesie und Nichtpoesie zu diskutieren.

Das Diskutieren und Textbesprechen sollte uns als Calenberger Autoren nicht davon abhalten, gemeinsam einen Rundgang durchs Dorf zu machen, der dann bei manchen der Autoren neue, frische Ideen für Geschichten oder lyrische Meisterwerke entstehen lassen könnte. Und, seien wir ehrlich:

 

                                                                                                                                                 Ein Rundgang durch dörfliche Idylle hat noch nie geschadet, weil dadurch in jedem Falle die Reize der ungewohnten Umgebung die Gehirntätigkeit zum Entwickeln neuer, spontaner Texte angeregt werden.

Es ist mir einiges während meiner Wanderung aufgefallen und einiges auch unklar geblieben. Doch bei den meisten der fotografierten Objekte erfreute ich mich ganz einfach nur an dem Bild, was sie boten, weil die Bilder für sich selbst sprechen.

"Schmeckt nach Honig", war mein Kommentar, als ich an einer der Bienenwaben kosten durfte.

Zum Beispiel an der kleinen Kirche inmitten des Ortes. Oder an einem schönen Eingang zu einem Grundstück, das einem Gärtnermeister gehört. Und auch an den Gebäuden des "v.Kniggeschen Schlosses." Unklar blieb mir, warum ausgerechnet in Leveste eine ihrer Hauptstraßen mit "Burgdorfer Strasse" bezeichnet wird. Hat Leveste historisch gesehen irgendetwas mit Burgdorf gemeinsam? Oder, kommt man von Gehrden und betrachtet das  abgebildete Wappen aus Eisen in einem Tor des ersten Hauses auf der linken Straßenseite, was bedeutet das? Mir blieb die Lösung verborgen.

Geschmackvoller Vorgarten, mein Kommentar. Dass noch mehr in dem Garten zu sehen war, geht auf diesem Foto nicht hervor. Zum Beispiel Zuchinis, Tomaten und Gurken, die sauber in gleichen Abständen an Schnüren senkrecht in die Höhe wuchsen.

Auf alle Fälle ist Leveste ein einladender Ort, denn schon am Ortseingang wird auf das 1. Levester Frühstück hingewiesen. 

Auf meinem Rundgang traf ich auch ein Imker Ehepaar, dass ihr Bienenvolk "ausräuberte" und dies als Honigernte bezeichnete. Sie weihten mich in die Produktion des Honigs ein und ich durfte sogar meinen Finger in eine der Waben stecken. "Schmeckt nach Honig", lautete mein Kommentar. Ich entete ebenfalls. Fotos. Erstaunlich, wie viel ein so kleiner Ort an fotogrfierenswerten Objekten zu bieten hat wollte ich obendrein noch ausführlich erklären, was ich entdeckte, wäre ich morgen noch nicht fertig mit diesem "Bilderbuch" und die Ankündigung zu unserer Arbeitssitzung würde erst dann in die elektronischen Briefkästen flattern, wenn die Veranstaltung schon

 

Geschichte wäre. Also lasse ich die Bilder für sich sprechen und versehe sie - wo erforderlich - mit einem kurzen Untertext.

 

 


Nun aber zu den wichtigen, den offiziellen Dingen, die uns nach Leveste ziehen. Den Dingen, die zu nicht zu beschreiben, sondern zu besprechen sind. Doch sie gehören nicht in diese kleine Reportage eines kleinen Ortes mit ihren großartigen Menschen, die mir dort begegnet sind.

Falls Euch noch etwas Wichtiges einfällt, was mir entfallen ist, schreibt mir oder ruft mich an.

 

Ich wünsche Euch allen eine gute Anreise und verbleibe bis dahin mit besten Grüßen

 

 

Wolfgang Nieschalk

 

 

Zu jedem Schloss und jedem Ort gehört etwas, was "Kraft und Stärke, Ausdauer und Schnelligkeit" symbolisiert. In Leveste, genauer gesagt am Eingangsportal des Schlosses, übernimmt diese Aufgabe ein "grünspaniger" Löwe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Einladung zum Arbeitstreffen Mai 2016 bei Ursula Kühn

 

Liebe Calenberger Autorinnen- und Autoren,

 

Selten blüht ein Baum schöner, als ein Apfelbaum. Kein Wunder, gehört er doch den Rosengewächsen an. Doch er hat den großen Vorteil der fehlenden Stacheln.

mit den Blüten eines Zweiges von meinem Apfelbaum - denn Äpfel gehören zur Gattung der Rosen - ich weiß, Ihr wisst das auch, und ich spiele nur sicherheitshalber den Besserwisser - möchte ich den schönsten Monat des Jahres und dieses Rundschreiben auch, mit der schönsten Blume schmücken, welche die Pflanzenwelt für uns Verschenkende bereit hält.

Rosen sind nämlich auch in unserer nüchternen Zeit immer noch der Ausdruck von Sympathie, Zuneigung und der Liebe.

Doch immer sollten der Schenkende und die Beschenkte auf ihre Stacheln achten, die schwer heilende Wunden an Beiden - manchmal ein Leben lang - hinterlassen können!

Eine Apfelblütenrose ist da sanfter. Sie verletzt nicht, weil sie stachellos ist und käme ich in die Situation, eine Rose verschenken zu dürfen, würde ich den Termin zur Apfelblütenzeit verlegen und dann meinen Apfelbaum anzapfen. Da käme mir der Wonnemonat Mai gerade recht, um Weitsicht und Beständigkeit zu zeigen. Weitsicht deshalb, weil wegen ihrer Stachellosigkeit Apfelblütenrosenstengel eben keine Wunden schlagen und deshalb nur Freude schenken können.

Ein Blick ins Herz der Blüte...

Doch sie hat noch einen weiteren Vorteil. Lässt man sie in Ruhe, bringt sie Früchte hervor, während die echten Rosen auf dem Kompost landen. Meine Apfelrosenblüten werden im August zu dicken, süßsauren Boskop Äpfel herangewachsen sein, von denen 90 % wurmstichig sein werden, weil ich nicht spritze. Doch die überlebenden 10 % sind immer noch so viel, dass ich geschlagene 3 Monate täglich mindestens 10 Stück davon zu vertilgen habe und manchmal regelrecht süchtig danach werde. Letztes Jahr waren es so viele, dass ich davon sogar zugenommen hatte.

Genug der Rosen und Blüten und Wunden und dem Schwärmen vom Wonnemonat Mai. Jetzt kommt das Ernste, das Reale, das pralle Autorenleben zu Wort, dass sich in Form neuer Werke von Euch bei mir Luft schaffen kann und sicher auch schaffen wird.

 

Zum nächsten Arbeitstreffen am 7. Mai 2016 um 9.30 Uhr lade ich Euch herzlich ein und bitte Euch, Eure Texte zum Besprechen nicht zu vergessen.

 

Und sich abzumelden, wenn jemand verhindert ist.

Ich richte mich darauf ein, bei strahlender „Maiensonne“ und blauem Himmel die Arbeitssitzung im Garten vorzubereiten. Ansonsten, falls das Wetter auch nur eine Andeutung von Unbeständigkeit zeigt, natürlich wie immer im Haus auf der Terrasse.

Damit der Tag ein schönes Erlebnis wird, hole ich wieder die bewährten Platten von unserer Nordstemmer Schlachterei. Falls der Lieferant etwas später kommt, als Ihr erscheint, hat das nicht den Grund, dass der Schlachter die Gutschrift von mir auf seinem Konto abwarten will - die Leute kennen mich - sondern sie machen alles erst wenige Minuten vor unserem Treffen superfrisch fertig.

Kaffee, Tee, Bier, Wein, Weißweinschorle - die trinke ich seit Neustem auch - und "Schokoladiges" steht bereit, denn ich weiß, dass einer von uns das "Schokoladiges" besonders mag und dabei ganz runde Augen bekommt.  Kuchen steht natürlich auch zur Verfügung und wer noch spezielle Wünsche hat, möge sich bei mir melden. 

 

Dieses Mal werden wir einen Gast begrüßen dürfen.

Frau Cornelia Poser

aus Hannover freut sich darauf, an unserem Arbeitstreffen teilnehmen. Als häufige Besucherin bei den meisten unserer Lesungen ist sie sehr gut darüber informiert, was sich bei uns tut, was wir anbieten und ich habe ihr durch E-Mails bereits die Grundstruktur unserer Autorengruppe geschildert. Sie wird den Meisten von Euch bei der einen oder anderen Veranstaltung bereits begegnet sein.

Frau Poser ist literarisch sehr interessiert, schreibt Lyrik und Prosa. Und ich denke, wir widmen an diesem Samstag vor allem Ihr unsere Aufmerksamkeit, weil ich vermute, dass Frau Poser uns einiges aus Ihren Werken und zu ihrer Person sagen wird. Fritz und ich kennen Frau Poser schon näher anlässlich eines Essens nach einer Lesung in Hemmingen.

Freuen wir uns also auf ein neues Mitglied in unserer Autorengruppe und heißen Cornelia Poser am 7. Mai ganz herzlich willkommen! 

 

Noch etwas. Mein neu eingeführter Calenberger Grillnachmittag mit offenem Ende findet am

 

11. Juni 2016 um 15.00 Uhr bei mir in Rössing statt.

 

Jeder von Euch - mit Partner oder Freundin/Freund - ist ganz herzlich dazu eingeladen. Mitzubringen ist nichts - nur gute Laune. Falls jemand ein kleines Gedicht zu diesem Anlass machen will, ich würde mich freuen. Aber es ist keine Forderung. Wir wollen "schmausen" und reden und trinken und es uns gut gehen lassen. Bitte gebt mir kurzfristig Mitteilung, falls jemand nicht dabei sein kann. Das ist wichtig!

 

Eine gute Anreise nun und ich freue mich auf alle, die sich zu mir auf den Weg machen werden!

 

Herzlicher  Gruß,

 

Wolfgang

 

 

 

 

www.Calenberger-Autorenkreis.de

27. März 2016


Ein kleiner Ausschnitt aus einem der Gärten von Villandry.


Liebe Calenberger Autorinnen und Autoren,


dieser trübe, regnerische Karfreitag kommt mir sehr entgegen, um mal Pause von Boot, Garten und von allerlei "Drinnenarbeiten" zu machen und Euch auf die nächste Arbeitssitzung einzustimmen. Aber damit in dieser heutigen Trübnis ein klein wenig Farbe einkehrt, garniere ich meinen Brief mit einigen Fotos, die ich am 30. September letzten Jahres geschossen habe.

So bunt, wie die Vegetation in jener vorgerückten Jahreszeit in Mittelfrankreich war, wird es hier selbst im Frühjahr nicht werden, aber der Mai als der unbestritten schönste Monat des Jahres und im Verein mit dem letzten Drittel des April, in dem die Rapsfelder uns mit ihrem Gelb überfluten, kommt schon jetzt Freude auf und unsere Stimmung steigt an. Das wirkt sich wie immer in fröhlichen Geschichten aus, die Ihr am

 

2. April 2016 zur üblichen Zeit bei Usch Kühn zur Textbesprechung vortragen könnt.

 

Usch fragte mich am vergangenen Sonntag, ob bei mir jemand abgesagt hätte. Mir war nichts bekannt - und ihr selbst auch nicht. Dann bin ich wohl der Einzige, der schwänzen muss, weil ich eine andere Verpflichtung habe. Falls noch jemand den 2. April woanders als in Weetzen verbringen muss: Bitte bei Usch abmelden.

Etwas muss unbedingt gesagt werden, ehe ich darüber hinwegkomme. Ich möchte an dieser Stelle Jörg Hartung und Uwe Märtens ausdrücklich erwähnen, die mit ihrer Aufnahme für Leinehertz und Tonkuhle - nur meine Segelgeschichten - ausgesprochen viel Zeit in das Interview, die Aufnahme selbst und das "Zurechtschneiden" investiert haben, um alles zu einem für die Rundfunkhörer erfolgreichen "Reinhören in die Calenberger" werden zu lassen. Es wird ja auch für die Calenberger als Gruppe als solches gemacht, aber eben auch für mich. Danke für diesen außergewöhnlichen Einsatz am Sonntagnachmittag und auch noch darüber hinaus!

Es hat Tradition in Villandry, dass dort Gemüse angebaut wird.

Manchmal formen sich bei mir Ideen während Stress Situationen. Zum Beispiel im Garten, wenn ich mir gerade mal wieder die Finger lädiert habe. Wahrscheinlich sind es "Schmerzhormone", die mich auf der einen Seite unflätige Worte lautstark in die Gegend rufen lassen, aber andererseits dann parallel dazu Ideen aufkeimen lassen - komischerweise zu diesem schmerz gepeinigten Zeitpunkt. Zwei dieser Ideen habe ich kurz bei unserer letzten Kaschnitz Lesung mit Wilhelm angesprochen und - wenn ich mich recht erinnere - auch mit Fritz. Jedenfalls gewann ich den Eindruck, dass sie positiv aufgenommen wurden. Besprecht das doch bitte mal bei der Arbeitssitzung vom Grundsatz her. Den Vorschlag, wie wir dies Großprojekt umsetzen können, unterbreite ich Euch in einer separaten mail, in der auch Details genannt werden. 

Dieser Zierkohl hatte mich inspiriert, es selbst zu versuchen. Es scheiterte an der nicht möglichen Beschaffung.

 

Ich zitiere kurz Schopenhauer, der seinerzeit ganz treffend meinte:

"Der Wechsel allein ist das Beständige."

 

Dem habe ich nichts hinzuzufügen und nun liegt es an Euch, diesen Wechsel, der mit erheblichem Engagement verbunden ist, herbeizuführen.

Ich erwähnte anfangs schon meinen merkwürdigen Ideenfindungsprozess, der durch Schmerzattacken im häuslichen Garten ausgelöst werden kann. So kam mir vor zwei Wochen beim Verlegen von Verbundpflaster - als zwei Finger sich zwischen Platte und Hammer befanden - die Gartenidee, statt der üblichen Blumen, mal Kohlköpfe oder Braunkohl zu verwenden. Sozusagen essbare Blumen und ich erinnerte mich dabei an Schloss Schönbrunn, wo ich diese Art von Bepflanzung sehr ansprechend fand. Aber im letzten Jahr, im Herbst, als ich ihrer Schlösser wegen die Loire in Frankreich bereiste, wurde der Garten von Schloss Schönbrunn durch den Garten von Schloss Villandry noch weit in den Schatten gestellt und regte mich an, das nachzutun. Doch das Kopieren ist nicht so einfach.

Die Besichtigung ist nur "stufenweise" möglich. Für jede weitere "Stufe muß zusätzlich bezahlt werden.

Das mein Garten sich dieses Jahr wieder nicht mit Kohlköpfen schmücken kann, liegt daran, dass mich die Gartencenter Verkäufer mitleidig ansahen - und mir unter Umständen sogar den Vogel zeigten, als ich verärgert zum Ausgang strebte -  als ich zur Unzeit - im März - Pfanzen von Kohl, von Roter Beete oder Braunkohl verlangte.

Aber um nicht alles beim Alten zu lassen gemäß der Schopenhauerschen Formel -

 

"Der Wechsel allein ist das Beständige",

Ich hätte den ganzen Tag in den Gärten und im Schloß selbst verbringen können. Das Wetter spielte mit, doch das Fotografieren war nicht so einfach bei den Heerscharen von Besuchern.

kam ich auf die Idee, wenn schon kein Kohl aufzutreiben war, kann ich versuchen, wenigstens dem Unkraut ein für allemal den Boden zu entziehen. Ich legte also ein großes Beet mit Dachpappe aus, stach jede Menge Löcher hinein, um das Wasser abfließen zu lassen  und bedeckte alles mit weißen Marmorkieseln. Und als ich am nächsten Morgen aufwachte, sank ich vor Schreck in meinen Terrassensessel. Der Garten sah aus, als hätte es über Nacht geschneit.

Dann beruhigte ich mich allmählich und hoffe seitdem auf die unausbleibliche Verschmutzung der Kiesel durch natürliche Prozesse der Natur und so langsam gewöhne ich mich sogar auch an die ungewohnte Helligkeit im Garten.

Doch der Garten des Schlosses Villandry hat mich fasziniert und damit Ihr auch daran teilhaben könnt, hier ein paar Fotos davon.  

Das schicke Huas im Hintergrund ist das Gartengerätehaus...

Nun wünsche ich Euch ein schönes Osterfest und viele kreative, der Literatur dienende Ideen.

Mit österlichen Grüßen,  

 

 

Wolfgang

 

 

 

 

  





Calenberger Autorenkreis

29. Februar 2016

Gravitationswellen und Einladung zur nächsten Arbeitssitzung.


In Ruthe bei Sarstedt steht eine Anlage, die eigens dafür gebaut wurde, die von Albert Einstein vorhergesagten Gravitationswellen nachzuweisen. Viele Jahre hindurch ist das nicht gelungen. Doch nun, 100 Jahre später, fast auf den Tag genau nachdem Einstein seine Theorie, welche die Gravitation als "geometrische Eigenschaft der gekrümmten, vierdimensionalen Raumzeit" am 25. November 1915 der Preußischen Akademie der Wissenschaften beschrieb, glückte deren Nachweis nun durch aufwendig installierte Apparate. Die Wissenschaftler machen sich Hoffnung auf den Nobelpreis - und uns beschreiben sie ihre Entdeckung so, dass wir nun in der Lage seien, die Gravitation nicht nur zu beobachten, sondern auch zu "hören."

Na ja, eigentlich haben sie uns nichts Neues bewiesen, denn dass Gravitation existiert und den Raum und die Zeit krümmt - die sogenannte vierdimensionale Raumzeit - ist schon lange nachgewiesen und wird bei der Suche nach Exoplaneten erfolgreich praktisch angewandt.

Gravitation krümmt eben nicht nur den Raum und die Zeit, sondern auch Licht auf seinem Weg zu uns und kann in der passenden Konstellation einen Linseneffekt - einen Vergrößerungseffekt - hervorrufen und dank dieser Eigenschaft hat man schon über 2000 Erden und Supererden in anderen Sonnensystemen entdeckt.  

Vielleicht sind es aber die speziell die "Wellen der Gravitation", die das Besondere an der Entdeckung ausmachen, weil Gravitation an sich gar nichts Neues ist. Sie umgibt, durchdringt und umhüllt uns wie ein unsichtbares Medium. Niemand weiß wirklich, aus was genau diese sogenannte Gravitation besteht. Auch die gekrümmte, vierdimensionale Raumzeit trägt - jedenfalls für mich -  nicht zur Aufklärung bei. Ein "Wissender" würde - durch meine penetrante Fragerei in die Enge getrieben - in letzter Erklärungsnot den Apfel anführen, der im luftleeren Raum genauso schnell zur Erde fällt, wie eine Feder und erklärte dabei - vielleicht wie zur Unterstreichung mit Händen und Füßen arbeitend - dennoch am Kern der Sache vorbei. Denn die Frage, was sich da wirklich zwischen Apfel und Gravitationsschwerpunkt abspielt, müsste offen bleiben.

Belassen wir es dabei und nehmen die Gravitation so hin, wie sie uns darstellt und akzeptieren wir die Tatsache, dass sie ganz unsentimental für blutige Knie sorgt, wenn wir beim Radfahren umkippen und akzeptieren wir auch, dass unsere strenge Mutter Erde uns ohne Rücksicht auf menschliche Wissbegier und unsere ureigennen Bedürfnisse immer hin in ihren Schoß ziehen wird, der auch Gravitationsschwerpunkt genannt wird. Nur, genaugenommen dürfte an diesem Sschwerpunkt im Inneren der Erde überhaupt keine Gravitation herrschen, weil sich - ich bin dreidimensional Denkender - die Gravitationskräfte rund um diesen Punkt aufheben müssen und alles in alle Richtungen nach außen ziehen muss... 

Ist diese Überlegung, dreidimensional gedacht, logisch?

Davon abgesehen ist es der "anziehenden" Eigenschaft zu verdanken, dass unsere Erde sich wie eine Glucke verhält und alles an sich reißt, was nicht niet- und nagelfest ist. Sie lässt Berge nicht in den Himmel wachsen und Bäume sowieso nicht. Doch wie immer gibt es Ausnahmen, doch diese dauern nur kurze Zeit und das werden jene Pärchen bestätigen, die im Moment gerade auf "Wolke 7" schweben.

Uns jedoch, die in der Realität - nicht der Relativität! - verhaftet sind, legt die Gravitation ihre Zügel an und sorgt dafür, dass wir im Alltag nicht abheben und immer schön mit unseren hoffentlich geputzten Schuhen auf dem Boden von Mutter Erde bleiben.

Da komme ich auf uns zurück. Auf uns schreibende Autoren und ich frage mich, ob die Gravitation auch Einfluss auf unsere schriftstellerische Kreativität haben könnte. Hat sie. Nicht umsonst nämlich sitzt der Kopf ganz oben, weil dort die Gravitation ein kleines bisschen schwächer ist als an den Füßen und somit die Gedanken dort oben weniger zusammengepresst werden.

Ich schlage daher vor, wenn unsere Gruppenkasse mal Völlegefühle aufweisen sollte, ein - zwei oder mehrere Tage ganz oben in den Alpen unsere Arbeitssitzung abzuhalten, natürlich mit zünftigem Kuhglockengeläut und deftiger Brotzeit. Auf diese Weise könnten wir meine Theorie der geistigen Verflachung bei zunehmender Gravitation auf ihre Richtigkeit hin untersuchen und - würden wir dort oben erkennbar "entflacht" - dann gemeinsam als Calenberger Autoren für den Nobelpreis vorgeschlagen werden. Das wäre sicher was und ich bin sicher, schlagartig würden wir aus dem Dunstkreis des relativ flachen Deisters in ganz neue literarische Höhen hinauskatapultiert werden - so lange, bis Mutter Erde uns wieder an sich reißt.  

Aber soweit ist es noch nicht. Erst mal brennen wir weiter auf kleiner Flamme und treffen uns nach dem schönen Erlebnis des Kaschnitz Vortrages heute Nachmittag in Laatzen am 5. März bei Uwe Märtens in Rodenberg wie immer um 9.30 Uhr.

 

Bitte rechtzeitig bei Uwe absagen, wer nicht kommen kann!

 

Diese Kapelle am Flexenpass wäre ein Platz geeigneter Platz, um die im Text angesprochene Theorie zu überprüfen...

Bis dahin wünsche Ich Euch noch eine entspannte Woche mit vielen neuen Ideen und Aktivitäten.

 

Herzlicher Gruß, Wolfgang





26. September 2015


Liebe Calenberger Autorinnen und Autoren,

 

Am 19. September besuchte ich in Bispingen ein Haus, das sich von anderen Wohnhäusern dadurch unterscheidet, dass es leicht schräg aufgestellt ist und auf dem Giebel ruht.

"Die spinnen doch", entfuhr es mir, als ich das Auto abstellte. Meinen ersten Eindruck korrigierte ich bald, denn in dem Haus erlebte ich einige Überraschungen. 

Innen "geht man auf der Zimmerdecke und obendrein noch leicht bergan" und ich hatte noch keine drei Schritte getan, da wurde ich seekrank. Mein Gehirn registrierte die Situation als verlogen, als unwahr und reagierte darauf mit Schwindel. Sicherheitshalber ließ mich die "graue Substanz im Kopf" deshalb auf die Knie fallen. Aber nicht, um Hilfe von oben zu erhoffen, sondern ausschließlich um den Bodenkontakt zu festigen, der - wie schon beschrieben - zu allem Überfluss als Zimmerdecke vorgesehen war! Das irritierte nun abermals und als ich erkannte, dass andere Besucher das gleiche Problem hatten, wusste ich, "bei mir hatte was ausgehakt."

Dann wurde die Seekrankheit schwächer und forderte zu Experimenten heraus, deren Kuriosität auf den Fotos zu erkennen ist. Als ich das Haus verließ, schwindelte mir wieder, weil ein Teil meines Hirns nun endgültig an dem Wahrheitsgehalt meiner Umwelt zweifelte, während der andere Teil genau wusste, was wirklich "wahr war!"

Erst als ich mir beim Mittagessen ein Steak munden ließ, wurde mir klar: Unsere Welt steht nicht Kopf - wenn auch aus anderen Gründen manchmal der Eindruck entstehen könnte - weil mein Steak "richtigherum" schmeckte und diese Erfahrung brachte mich endgültig zurück auf den Boden der Tatsachen und überzeugte mich, dass sich unsere Welt im großen und ganzen doch im Lot befindet!

"Die spinnen doch" - damit komme ich auf den Anfang meines kleinen Erlebnisses zurück.

"Spinnen" kann verschieden interpretiert werden. Einmal als die Herstellung eines Fadens und einmal als die Urform der Lüge. Und ich glaube, in den Spinnstuben vergangener Jahrhunderte wurde gesponnen und so viel gelogen, dass sich die Balken bogen. Das war schön und gut  und spannend für die Kinder, die den Großeltern bei ihren phantastischen Geschichten an den Lippen hingen und dabei die wirkliche Welt um sich herum vergaßen.

Spinnen kann aber auch bedeuten, Wolle zu Garn zu spinnen, und ist dieser Faden rot, dann kann er sogar zum "Roten Faden" zum Leitfaden - z.B. in der Literatur - werden.

Damit bin ich nun vom "Spinnen" in der Literatur angelangt und damit bei der  Lüge. Denn Literatur hat viel mit den Spinnstuben vergangener Zeit gemeinsam. Dort wurde, wie schon gesagt, gelogen, dass sich die Balken bogen. Heute ist das immer noch sichtbar an den nach unten gekrümmten Deckenbalken alter Fachwerkhäuser...

Doch weil das "Lügen" gegen eines der zehn Gebote verstößt, hat irgendjemand irgendwann die literarische Lüge umbenannt in "Fantasie" oder "Fabulieren." 

Das klingt gut, hört sich gelehrt an und adelt obendrein die einfache, die gewöhnliche Lüge. Für das gemeine Lügen - im doppelten Sinne sowieso - kommt der gemeine Mensch nach wie vor in die Hölle - so wie es sich gehört. Für das literarische Lügen und Spinnen jedoch im Sinne von "Fantasie entwickeln" oder "gekonntes Fabulieren", verkehrt sich die Welt, jedenfalls die Literarische - so, wie beim verrückten Haus - ins Gegenteil und lügt jemand besonders gut und unauffällig, wird dieser Mensch mit Anerkennung belohnt. Im Idealfalle sogar mit dem Literaturnobelpreis!

Thomas Mann sagte einmal: "Fantasie heißt nicht, sich etwas auszudenken. Fantasie heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen!

Von diesem großen Vorbild unterstützt, bin ich gespannt auf das, was Eure Fantasie und Fabulierkunst Neues auf den literarischen Lügentisch zaubern wird, der zu unserer Arbeitssitzung am 7. November 2015 bei Fritz Pape aufgestellt und komplett von allem Unnützigen leer geräumt sein wird, um das von Euch und mit viel Fantasie garnierte Papier stapelweise aufzunehmen zu können.

 

Willkommen also im "Lügenkabinett der literarischen Spinnstube" und vergesst bei allem Eifer nicht den "Leitfaden" des Spinnens zu beachten, damit das zu Geschichten gewebte Seemanns- oder sonstige Garn nicht seine Struktur verliert!

 

Wolfgang

 

 

 





30. Dezember 2015



Gedanken zum Jahreswechsel


                                                                            

Liebe Freunde der Literatur, des Fabulierens und der guten, kreativen Ideen,

 

bei mir löst kurz vor dem Jahreswechsel die Verwendung der Worte Autorenfreundinnen- und Freunde ein angenehmes Gefühl der Genugtuung und Zusammengehörigkeit aus, für das unser gemeinsames Interesse zum schreiben eigener Texte und zur Literatur im weiteren Sinne verantwortlich ist.

Ich bedanke mich dafür, dass ich dies nach dem überaus erfolgreichen und auch turbulenten Jahr 2015 mit so persönlichen Worten formulieren kann. Es war unsere gemeinschaftliche Arbeit an einem gemeinsamen Ziel, die uns formte und unsere Zusammengehörigkeit weiter festigte und so stellt sich in gewissem Sinne das Gefühl ein, bei Euch "zu Hause zu sein."

Unser Ziel ist es - und ich nehme mir mal die Freiheit, dies als gegeben hinzustellen - unseren Zuhörern auch künftig Texte anzubieten, die im Wettbewerb nicht nur bestehen können, sondern immer an jeder Ort, an dem unsere Vorträge nachgefragt werden, ganz klar die ersten Plätze einnehmen. Die Zuhörer sind zu recht kritisch und werden immer kritischer. Dem müssen wir uns stellen und dem können wir uns auch stellen, denn unsere eigenen Qualitätsansprüche an uns selbst machen dies möglich! Und sie machen es möglich, aus uns "noch viel mehr, als bisher herauszuholen."

Grundlage für die steigenden Anforderungen, die die erheblich größer gewordene Öffentlichkeit an uns stellt, ist nach wie vor die konsequente, aber nicht verletzende Textbesprechung bei unseren Arbeitssitzungen.

Ich möchte Euch mit diesen Worten ermuntern, das Spiel mit Buchstaben, Wörtern und Sätzen noch viel intensiver zu betreiben als bisher. Es gibt zwar das leere Blatt, das manchen verzweifeln lassen mag. Doch es ist dafür da, gefüllt zu werden, sonst brauchten wir uns nicht anzustrengen, es zu füllen!

Ich weiß vielleicht am besten, wie schwierig das ist, doch die Themen unserer Welt sind unerschöpflich! Wirklich! Ein Wort genügt und mit etwas offenem, fröhlichem Geist, der zum Experimentieren bereit ist, kann man "drum herum" schreiben und ist das Geschriebene - was es oft genug sein wird - Unsinn, entsteht aus dem Unsinn fast immer spontan eine Idee, die sich lohnt, aufzugreifen um daraus eine Artikel entstehen zu lassen.

So, wie in der Relativitätstheorie unerklärlicherweise Materie im leeren Raum aus dem absoluten Nichts entsteht, entstehen bei uns "Schreiberlingen" Verknüpfungen, an die wir beim "Nichtschreiben" im Traume nicht gedacht hätten. Schreiben kommt wirklich beim Schreiben. Dieses sich plötzlich aus den Buchstaben herausschälende Thema ist das verborgene Ziel, welches man im Wald vor lauter Bäumen zuerst gesucht, aber erst dann gefunden hat, nachdem man über eine dicke Wurzel gestolpert ist.

Ich erwähne aus verschiedenen Gründen ungern meine Zeitungskolumne, doch ich muss es an dieser Stelle tun, weil diese sich ständig wiederholenden Stress-Situationen sehr gut geeignet sind zu zeigen, was in einem steckt, wenn man etwas leisten muss. Die Last der Themenfindung, die ich alle vierzehn Tage auf mich nehme, ist ein Nichts gegen die beglückende Freude beim Spiel mit unseren deutschen Wörtern und Sätzen und den sich daraus bildenden Texten. Es ist und bleibt ein feierlicher Moment, wenn der Text fertig ist. Ich möchte dieses Gefühl nicht mehr missen und ich wünsche, dass dieses Gefühl, welches  auch als Genugtuung bezeichnet werden kann - weil etwas erfolgreich geschafft, vollendet wurde - sich auch bei Euch immer häufiger einstellen wird.

Ich wünsche Euch ein Feuerwerk an neuen Ideen!

Ich komme zum Schluss.

 

Für die kommenden Feiertage wünsche ich Euch alles Gute in und mit Euren Familien und das Gleiche wünsche ich Euch für den Jahreswechsel.

Für das neue Jahr beschränke ich mich darauf, Euch allen Gesundheit und einen offenen Geist zu wünschen.

 

 

Herzlicher Gruß

 

Wolfgang

 

 

 


29. November 2014

Flach am Fuße des Deisters und dennoch abwechslungsreich: Die Wäldstücke am Bürgerholz



Liebe Mitautorinnen und Mitautoren des Calenberger Autorenkreises,


das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und ich - und die meisten Menschen meines Umfeldes ebenfalls - habe den Eindruck, die Zeit gleiche einem unbezähmbaren Strom, der uns Menschen steuerlosen Booten gleich, schneller und immer schneller in seinen Wassern hin zu einem unbekannten Ziel mitreißt. Vielleicht ist es aber nur unsere veränderte Wahrnehmung, die uns dieses Bild vorspiegelt, weil wir uns in unserer "weit fortgeschrittenen Jugend" vielleicht aktiver als früher mit den Dingen beschäftigen, die uns berühren, die wir gern tun und dabei den wilden Fluss der Zeit gar nicht mehr richtig wahr nehmen.

Egal wie turbulent der "Zeitenstrom" uns alle  vorwärts spült: Ich finde in ihm immer eine Stelle in Lee einer Insel, die Besinnung heißt, an der ich aus dem Boot des Lebens heraus den Anker werfe und tief durchatme. So wie jetzt, um unsere nächste und letzte Arbeitssitzung dieses Jahres ins Logbuch des Lebens am 6. Dezember in Linderte  einzutragen.

Hier ist jede weitere Erklärung überflüssig.

Linderte ist insofern ein besonderer Ort, da in ihm die Keimzelle des "Calenberger Autorenkreises" gelegt wurde. Wahrscheinlich nicht im gleichen Gebäude in dem wir uns diesmal treffen werden, aber sie liegt mit Sicherheit in Linderte. Diese Urzelle der "Calenberger" hat sich in den letzten 20 Jahren prächtig "geteilt" oder vermehrt oder wie immer man die Vergrößerung des Arbeitskreises der Calenberger Autoren bezeichnen will. Auf alle Fälle sind annähernd 20 Jahre vergangen, und so gehe ich davon aus, dass bei dem kommenden Arbeitstreffen u.a. lebhaft für das Jubiläum zum 20- jährigen Bestehen unseres Autorenkreises diskutiert und geplant werden wird. Ich bin dafür, diesen Anlass im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten gebührend zu feiern, denn es ist keineswegs so, dass ähnlich ausgerichtete Gruppen sich so positiv entwickelt haben wie die Calenberger Autoren! Nach wie vor stehe ich mit anderen Gruppen und Autoren in loser Verbindung und besuche deren Lesungen, um selbst nicht "betriebsblind" zu werden.

Schenken wir uns also, egal ob im großen- oder kleinem Rahmen, zur Belohnung für unser selbstloses Engagement in und für die Gruppe ein schönes Fest zu diesem denkwürdigen Anlass und besprechen wir alles Erforderliche dafür in dem Haus hinter dem rot geklinkerten, von zerstörerischen Flechten besiedelten Hoftorpfosten mit der charakteristischen 8.

Schöne, alte Fachwerkhäuser gibt es in dem freundlichen Dorf Linderte jede Menge.

Das letzte Arbeitstreffen fällt immer in die Adventszeit und ich wünsche uns allen einen der Jahreszeit angemessenen, besinnlichen Verlauf unserer Zusammenkunft.

 

Autorenköpfe ruhen nie...

...und sind immer auf der Suche nach "Futter" für Hirn und Tastatur. Bei mir äußert sich dieser Wunsch nach Nahrung manchmal so, dass mich das "Fotofieber" packt und ich aus der Ausbeute an Bildern eine kleine Reportage schreibe, nur aus Spaß an der Sache und nur, um in Übung zu bleiben.

"In Übung bleiben" ist nämlich das Zauberwort, welches das Schreiben immens erleichtert. Meine 14- tägigen Kolumnen für die Tageszeitung fordern einen hohen Zeitaufwand von mir und darüber hinaus diszipliniertes Verhalten, was Länge und Stil und Thema anbelangt, doch zwingen sie mich stets und gnadenlos, einen leeren Bildschirm mit sinnvollen Zeichen zu füllen - und dadurch in Übung zu bleiben!

Die Post ist erschreckend uninformiert...

Schreibe ich über Orte oder Reisen - oder hier aus gegebenen Anlass über Linderte - unsere Urzelle - lockern sich diese Einschränkungen. Und so machte es mir vor einigen Wochen richtiggehend Spaß, den kleinen Ort auf Sehenswürdigkeiten hin zu durchforsten, das Gefundene aufzuschreiben, das nicht Gefundene - wie die Wolfsbergquelle - später zu erforschen, das Fotografierte in das Geschriebene einzufügen und "augenzwinkernd" über die Zukunft Lindertes Überlegungen anzustellen.

Die Post weiß alles - glaubte ich bisher. Heute weiß ich es besser. So fragte ich, bevor ich durch den Ort wanderte, zuerst den zufällig aus seinem Auto steigenden Briefträger, wo sich die Linderter Sehenswürdigkeiten versteckt hielten. Er lachte und antwortete schnörkellos: "Nirgends, denn Linderte hat nur Bauernhöfe." "Auch keine Kirche?" "Auch keine Kirche. Nichts, nur Bauernhöfe, ein paar Häuser und Rindviecher", wobei er die Mundwinkel zu einem, wie mir schien, spöttischem Grinsen verzog. "Hier ist wirklich nichts los."

Das mit den Rindviechern hatte ich schon gehört, aber dass es darüber hinaus gar nichts Sehenswertes geben sollte, glaubte ich ihm nicht. Also schritt ich tüchtig aus, um wenigstens das wenige mir noch Unbekannte in dem sonnendurchfluteten Ort zwischen Hannover und dem Ostausläufer des Deisters aufzuspüren.

Ein kleines Linderter Prachtstück

Fünf Minuten später wurde ich fündig. "Wie kann ein Briefträger die Dorfkirche in einem gut 520 Seelen Dorf nicht kennen!" ging es mir durch den Kopf. Zugegeben, Sie ist nicht groß, aber auch nicht zu übersehen und zusätzlich erstaunlich hübsch - von außen. Wie sie von innen aussieht, blieb offen, denn hinein kam ich nicht, weil sie abgeschlossen war und ich glaube auch nicht, dass jemals ein Tourist Einlass in das eher einer Kapelle als einer Kirche gleichende Gotteshaus begehrt hätte.

Was manch größerer Ort nicht besitzt - Linderte hat sie: Eine eigene Wetterstation! Sie ist steinzeitlich - im wahrsten Sinne des Wortes -  aber Sinn der steinzeitlichen Konstruktion ist es sicherlich, keine allzu großen Kenntnisse in Metorologie und Geologie voraussetzen zu müssen und so kann jeder, auch der Unbegabteste, die Zeichen des Wettergottes und - ich staunte nicht schlecht - sogar die geologisch bedingten  Erdstöße deuten.

Auch fehlt es nicht an gemütlichen Bänken für anreisende Touristenströme und auf die historische Bedeutung des Ortes wird gleich mehrfach an verschiedenen Stellen hingewiesen.

Historie scheint sich in Linderte überhaupt großer Beliebtheit zu erfreuen. Auch unser "Stammquartier", der historische Verein mit dem historischen Museum, ermöglicht uns seit vielen Jahren, unsere Lesungen in historischem Ambiente durchzuführen.

Hier wird das Wetter nicht gemacht, aber angezeigt und Erdbeben und andere Ungelegenheiten manchmal auch.

Und weil Historie in Linderte einen so wichtigen Stellenwert hat, werden unsere Vortrags- Ausarbeitungen z.B. über Goethe, Schiller, Zweig, Droste-Hülshoff und andere Große ganz sicher in 100 Jahren neben den altehrwürdigen, jetzt schon dort stehenden, staubigen  Büchern der vergangenen Jahrhunderte die Regale weiter auffüllen und vor allem zieren. Spätere Generationen werden sich allerdings fragen, "Was waren das eigentlich für komische Leute, die sich im Jahre 2014 hier trafen, um anderen etwas vorzutragen! Konnten die Menschen damals nicht lesen?"

Manchmal ist die Linderter Historie allerdings unsichtbar. Man muss sie erfragen, weil sie nur noch in der Erinnerung weniger "Übriggebliebener" existiert und selbst für die Übriggeblieben stammen viele dieser Informationen aus zweiter- oder gar dritter Hand.

Gegenüber dem historischen Verein Linderte befand sich vor rund 100 Jahren eine Gaststätte. Man nannte sie so lange "Deutsches Haus", bis sie pleite machte und von der Bildfläche verschwand. Diese Gaststätte hatte einen prominenten Gast, der auf sonderbare Weise gezwungen wurde, dort einzukehren. Der unerwartete Besucher befand sich auf der Flucht. Genauer gesagt, auf der Flucht vor zwei beißwütigen Hunden und der Fliehende war niemand Geringeres als der große Heidedichter Hermann Löns. Das kam so.

Löns war mit einem Bauern namens Busse befreundet, dessen Hof der Bauernhof neben der jetzigen Heimatstube war. Dieser lud ihn zur Jagd ein und nachdem erfolgreich einiges Rotwild zur Strecke gebracht wurde, taten sie das, was alle erfolgreichen Leute tun: Sie feierten und betranken sich. Dann stahl Bauer Busse sich davon, fiel in seinem Bett in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf und überließ den armen Löns seinen Jagdhunden.

Gute Jagdhunde wissen, was sie zu tun haben und machen keinen Unterschied zwischen Stand und Rang und Prominenz und Unbekannt. So kam es, dass die gut dressierten, wachsamen Hunde die kleinste Regung von Löns zähnefletschend mißdeuteten und ihn auf diese unmißverständliche Weise zwangen, die Nacht und den folgenden Vormittag todmüde bewegungslos auf seinem Stuhl zu verharren, immer hoffend, die Zeit bis zum Erwachen des Gastgebers lebend zu überstehen. Er überlebte, das ist verbürgt und zog sich fluchtartig ins Deutsche Haus zurück.

Bei diesem Bild erübrigt sich eine nähere Beschreibung...

Blickt man noch weiter zurück, ins Jahr 1830, muss der Linderter Amtmann Reinecke erwähnt werden, der die Ländereien seines Rittergutes preiswert, weit unter Marktwert, an die Linderter Bauern verkaufte, um ihnen so die Möglichkeit zu geben, sich aus der "Abhängigkeit" freizukaufen. Für diese Großzügigkeit hat man ihm in Linderte ein Denkmal gesetzt.

Das Gebiet um die von mir nicht gefundene Wolfsbergquelle hieß zur Zeit des 30 jährigen Krieges "Wernigerähr". Heute wird das Gebiet "Wernigerodere" genannt und stellte, mit einer gewissen Unsicherheit belastet, das ursprüngliche Linderte dar. Während der Hildesheimer Stiftsfehde und des 30- jährigen Krieges wurde das Dorf rückstandslos dem Erdboden gleich gemacht. Vier der damaligen Bauern flohen und gründeten Linderte, nur der fünfte Bauer floh nach Holtensen. 

Nach so viel Historie ist es an der Zeit, in die Gegenwart zurückzukommen und danach einen letzten Blick auf die Zukunft zu werfen.

Was gibt es noch von Linderte zu berichten? Nichts? Von wegen! Ein Bahnhof ist normalerweise keiner besonderen Erwähnung wert, wäre es nicht Linderte, das dieses  Tor zur Welt besitzt.  Ganz schön abgefahren für einen so kleinen Ort von 520 Einwohnern, finde ich! Es gibt größere Orte mit weniger Bahnhof!

Die Rindviecher, von denen der Briefträger und auch Fritz gelegentlich berichtet, weil sie in der Berichterstattung durch die örtliche Zeitungsredakteurin eindeutig vor den Calenberger Autoren rangieren, konnte ich nicht finden und ich konnte auch niemanden fragen, wo diese Rindviecher in Linderte leben, weil ich keine Menschen fand, die mich aufklären konnten.

Niemand mähte Rasen, niemand schnitt Rosen und niemand ging überhaupt einer Tätigkeit nach. Es herrschte Stille im Ort, gespenstische Stille, fast so, als wäre das komplette Dorf einträchtig in die Ferien gefahren. Wie ein dämpfendes Tuch breite sich die Ruhe über dem Dorf aus, dessen Stille nur durch das Stakkato meiner Schuhe auf dem Pflaster in unnatürlich wirkende, kleine Teilstücke zerhackt wurde.

"Ruhe und Erholung gehören zusammen wie Eis und Schlagsahne", ging es mir durch den Kopf und wieder kam mir die Wolfsbergquelle in den Sinn.

Eine hübsche Dekoration am Eingang zum historischen Museum Linderte

Ruhe - Quelle - Großstadtnähe. Was läge näher, Linderte zum Kurort zu erheben oder noch besser, Linderte zum Bad zu erklären. "Bad Linderte" hört sich gut an. Auf die Quelle wird das Kurhaus gesetzt und das Bad daneben gebaut und wenn dann das Wasser noch hübsch nach Salz schmeckt und nach faulen Eiern stinkt, ist die Welt des Kurgastes in Ordnung, weil eklig schmeckendes Wasser im Ruf steht, besonders heilsam zu sein. Das, was das Wasser zum richtigen Heilwasser macht, kann ja immer noch nachträglich bestimmt werden.

Wichtig ist, das endlich die Planungen für so ein Projekt anlaufen und der Amtmann Reinecke nicht der Letzte war, der die Linderter Landwirte schlagkräftiger - und vermögender! - machte. Und bei solchen Grundvoraussetzungen wie Wasser und Ruhe und Großstadtnähe sehe ich Lindertes Zukunft in den rosigsten Farben.

Doch einen kleinen Nachteil erkenne ich schon jetzt bei der ganzen Sache: Die Ruhe in Linderte wird sich "selbst ein Bein stellen" und die Nachfahren der Calenberger Autoren werden darum kämpfen müssen, ortsnah parken zu dürfen, ohne einen Shuttle Bus nehmen zu müssen.

Auch können wir für die "späteren Calenberger Autoren" nur hoffen, dass die Kurtaxe und die Parkgebühren im bezahlbaren Bereich bleiben, wenn sie dann ihre Gruppensitzungen in "Bad Linderte"  abhalten...

 

Herzlicher Gruß, Wolfgang




20. Februar 2014


Rössing, nicht das Zentrum der Welt - aber sehr "wohnensswert!


nachdem das erste Treffen im neuen Jahr bei Susanne Kipp stattgefunden hat, darf ich Euch am 1. März 2014 als meine Gäste begrüßen. Ich freue mich auf Euch und wünsche mir, das möglichst alle Mitglieder bei der Arbeitssitzung anwesend sein werden.

Für diejenigen, die noch nicht bei mir in Rössing waren, eine kurze touristische Beschreibung meines Wohnortes und dessen Umgebung.

Rössing gehört zu Nordstemmen und ist nicht das Zentrum der der Welt, auch nicht von Niedersachsen. Es ist überhaupt kein Zentrum und es hat auch kein Zentrum, denn das mögliche Zentrum wird durch den Rössingbach zweigeteilt. Rössing Süd hat daher relativ wenig Verbindungen nach Rössing Nord  und umgekehrt. Ich wohne in Rössing Nord. Das  verkürzt Eure Anfahrt etwas. Rössing hatte mit Ausnahme eines Bäckers und Schlachters bisher keinen Lebensmittelladen, aber neuerdings einen mit viel Engagement durch die Ortsbürgermeisterin, Charlotta v. Rössing und vielen freiwilligen Helfern errichteten Lebensmittelladen, der wirkliche Beachtung verdient. Ich selbst bin in dieses Ladenprojekt zwar nicht involviert, aber versuche in meinem Kreis alles dafür zu tun, die Leute zu animieren, dort einzukaufen. Preisunterschiede zu den großen Verkaufsflächen gibt es nicht und so wünsche ich mir, dass diese wunderbare Initiative  von den Dorfbewohnern durch deren Einkauf dort auch nachhaltig unterstützt wird.  

In Rössing kann man kann man kaum seinen Urlaub verbringen, aber davon abgesehen: Es wohnt sich gut hier!

Die Marienburg ist markant und von meinem Küchenfenster aus nicht zu übersehen. Zu übersehen ist auch nicht die wesentlich auffälligere, aber unattraktive Zuckerfabrik, die mich im Spätherbst mit dem süßen Geruch von Zuckerrüben - den viele nicht mögen - daran erinnert, dass Weihnachten vor der Tür steht.

Diejenigen von Euch, die von Gestorf oder Pattensen kommen, werden sicher nicht bemerken, dass sie nach Überquerung der Leinebrücke in Schulenburg an einer Burg vorbei fahren: Der Calenburg.

Kurz vor der Durchfahrt durch Lauenstein, anderthalb km von meinem Zuhause entfernt, verbergen sich an der linken Seite die Burg oder präziser ausgedrückt, die noch übriggebliebenen Reste der Burg hinter einem immer noch beeindruckenden Ringwall. In meiner Kindheit die die Burganlage Heimat von allerlei Raubrittern und  Bösewichtern, die bekämpft werden mussten.

Die noch vorhandenen Höhlen reizten uns, ließen uns die Zeit vergessen und so kam es gelegentlich vor, dass Suchkommandos uns Kinder mit Gewalt aus unserer geheimnisvollen Abenteuerwelt nach Hause entführen mussten. Man wusste, wo wir steckten!

Und wir wussten, wo man ungesehen Lagerfeuer anzünden konnte...

Vielleicht 500 m weiter in Richtung Rössing an "der alten Leine" endet das Calenberger Land und die Calenberger Autoren begeben sich damit in die Hildesheimer Börde, ins Ausland sozusagen.

Hatten früher im Calenberger Land die Welfen das Sagen und bestimmten das Handeln, sagten und handelten östlich der Leine die Bischöfe von Hildesheim. Das ging nicht immer freundschaftlich über die Bühne, aber die Streitigkeiten sind seit langem beigelegt und aus diesem Grunde könnt ihr ungefährdet unseren "heiligen Boden" betreten.

Auch das berüchtigte Hoftor, vor dem vor einigen Jahren Herzog Ernst August gegenüber einem Reporter mit dem Regenschirm handgreiflich wurde, liegt nur 500 m von der Calenburg entfernt.  Heute ist das Gut hinter dem Tor verkauft und zum Seniorenheim umgebaut worden.

Rössing selbst kommt ebenfalls nicht ohne Adel aus, der aber im Gegensatz zum Hochadel des benachbarten Schulenburg nicht mit negativen, sondern ausschließlich durch sympathisches, der Allgemeinheit dienendes Verhalten auffällt. Doch auch diese Familie hat, wie es sich für ein ordentliches Adelsgeschlecht gehört, ein Schloss als Wohnsitz mit großzügigem Wassergraben drum herum. Das gehört sich so und so ist es auch ein beliebtes Fotomotiv.

Die übrigen touristischen Attraktionen Rössings hier aufzuführen, würden den Umfang meiner Ortsbeschreibung sprengen. Sie müssen erwandert werden, aber das empfiehlt sich dann eher im Sommer.

Damit will ich meine kurze Abhandlung über das Drumherum und Mittendrin von Rössing beenden.

Ich wünsche Euch einen erträglichen Februar und dass der Winter nicht wieder die Oberhand bekommt.

 

 

Herzlicher Gruß und bis zum 1. März

 

Wolfgang